In der silbernen Trommel der Waschmaschinevollzieht sich tagtäglich ein böses Gemetzel. Die Opfer sind Socken, Dessous, Designerhemden. In Kellern, Küchen und Badezimmern stehen Maschinen, die ähnlich rau mit der Wäsche umgehen wie unsere Vorfahren, die einst Hose und Rock auf Flusssteinen oder Waschbrettern durchprügelten. Da rutschen sensible Stoffe hin und her, edle Kleider reiben sich fusselig, und beim Schleudern wird die Wäsche mit dem bis zu 500-Fachen der Erdbeschleunigung malträtiert (und dem 100-Fachen der Beschleunigung bei einem Raketenstart). Die für den Wasserdurchtritt gebohrten Löcher in der Trommel werden währenddessen zu wahren Höllenschlünden – der gefürchtete »Faserdurchtritt« droht!

Und das, obwohl es ehrgeizige Entwickler gibt, denen Geräte vorschweben, die mit Wäsche liebevoller und kompetenter umgehen, als die tüchtigste Hausfrau es je könnte. Auf dem Weg zur sanftmütigen und obendrein intelligenten Waschmaschine sind sie bereits erstaunlich weit vorangeschritten.

Zum Beispiel die Höllenschlünde. Viele große, klaffende Löcher sind von gestern. Eine zeitgemäße Trommel hat weniger und kleinere Löcher. Bei Miele und Samsung sind die Trommelbohrungen außerdem am Rand poliert und in Mulden versenkt. Dadurch wirkt jedes Loch wie ein kleiner Badewannenabfluss. Das Wasser fließt in lauter kleinen Trichtern ab und bildet dabei einen Film über die ganze Trommelinnenseite, auf dem die Wäsche sanft gleitet.

Bei allem Fortschritt im maschinellen Wäschewaschen: Was sich nie ganz auflösen wird, ist der zentrale Konflikt, mit dem sich Waschmaschinenkonstrukteure seit je auseinandersetzen müssen – wie schont man die Wäsche, aber nicht den Dreck? Erschwerend kommt hinzu, dass Wäschestücke unterschiedliche Eigenschaften besitzen – und Flecken auch. Bei Bosch und Siemens, die ihre Haushaltsgeräte gemeinsam entwickeln, hat man sich da für »maximale Flexibilität« entschieden.

Das heißt: Jedem Kleidungsstück wird nur das zugemutet, was es tatsächlich aushält, nie mehr als nötig. Erreicht wird das durch eine asymmetrische Trommel mit tropfenförmigen Mitnehmern, die eine flache und eine steile Seite haben, in der auch die Löcher untergebracht sind. »Die VarioSoft-Trommel reversiert je nach Textilempfindlichkeit«, sagt Detlef Jähnert, der bei Bosch-Siemens für die Sparte »Wäschepflege« zuständig ist. Für das Designerhemd bedeutet das: sanftes Gleiten, wenn sich die Trommel nach links dreht, dafür mehr reinigende Reibung bei Drehung nach rechts; das Verhältnis zwischen links- und rechtsdrehenden Phasen hängt vom Programm ab.

Das Wesen allen Waschens ist die Bekämpfung von Schmutz, sein Objekt der Fleck. Darum arbeiten die Maschinenhersteller sehr eng mit den Waschmittelentwicklern zusammen. Die unterscheiden vier Standardflecken, die nahezu das ganze Fleckenspektrum abdecken: Blut, Rotwein, eine Ruß-Öl-Mischung und Kakao. Blut steht stellvertretend für eiweißhaltige Flecken, für die Enzyme im Waschmittel zuständig sind. Rotwein reagiert eher auf Bleichmittel, denen muss die Maschine Zeit zum Wirken lassen. Für die Ruß-Öl-Mischung dagegen sollten die fettlösenden Tenside optimal mit der Mechanik zusammenwirken. Am Kakao schließlich misst sich vor allem die mechanische Waschleistung.

Damit zwischen Waschmittel- und Waschmaschinenhersteller keinerlei Missverständnisse entstehen, wurden weltweit Schmutznormen eingeführt. Bei der Schweizer Materialprüfungsstelle Empa etwa können Gewebestreifen bezogen werden, die getreu der europäischen Norm EN60456 angeschmutzt wurden. Nur im Einzelfall operiert man bei Siemens noch mit Handverschmutzung. »Wir haben für das Antifleckenprogramm zum Beispiel mit verschiedenen Erdbeermarmeladen gearbeitet«, sagt Detlef Jähnert, schließlich sei die Zusammensetzung nicht überall die Gleiche.