Bares, Cash, liquide Mittel – seit die Banken klamm sind, ist das Girokonto zum wichtigsten Rückhalt vieler Unternehmen geworden. Es sichert das tägliche Geschäft und damit Arbeitsplätze, und von dort werden Forschung und Entwicklung für die Zeit nach der großen Krise bezahlt. Gerade deshalb mag man seinen Augen nicht trauen, wenn einige Dax-Konzerne in diesen Wochen hohe Dividenden ausschütten. Schon wieder werden einige Aufsichtsräte und Manager ihrer Verantwortung für ihr Unternehmen, für Mitarbeiter und Gesellschaft nicht gerecht.

Volkswagen hat beispielsweise seine Autobank unter den staatlichen Rettungsschirm bugsiert. Der Steuerzahler bürgt seither mit einigen Milliarden Euro für Autokredite, während der Konzern nun Geld an seine Aktionäre verteilt. Bei BMW und Daimler diskutieren sie längst, wann ihre Banken nachziehen.

Eine andere Variante ist beim Stahlkonzern ThyssenKrupp zu beobachten. Dieser hat im vergangenen Geschäftsjahr so viel verdient wie nie zuvor und kürzlich unverdrossen 1,30 Euro pro Aktie ausgeschüttet. Doch kaum ist das geschehen, will das Unternehmen ohne lange Debatte 3000 Stellen abbauen. Sieht so eine langfristige Unternehmensplanung aus? Motiviert das die Belegschaft?

Um eines klarzustellen: Es geht nicht darum, Dividenden zu verdammen. Wenn ein Unternehmen gut verdient, soll es die Aktionäre teilhaben lassen. E.on, RWE, Deutsche Telekom, Beiersdorf, Fresenius und Deutsche Post tun das zu Recht. Aber Konzerne, die von der Weltwirtschaftskrise dramatisch getroffen werden, sollten ihr Geld beisammenhalten. Das dient auch den Aktionären. Denn was ist die Alternative: Heute gibt es Dividende, aber dafür wird morgen die Aktie durch eine Kapitalerhöhung wie bei Daimler verwässert? Andernorts schmälert der Jobabbau die Wachstumschancen für den nächsten Aufschwung. So betrachtet, macht eine Ausschüttung viele Unternehmen für Aktionäre auf lange Sicht eher unattraktiv.