Den Alltag des Verrats zu zeigen wäre eine schmerzhafte Selbsterkundung

Heute wird die filmische Aufarbeitung der DDR-Geschichte meist von Künstlern aus dem ehemaligen Westen betrieben. Mit ganz unterschiedlichen Ergebnissen. Im Fernsehen ist sie fast zum Alltag geworden. Es gibt alberne Event-Movies und Retro-Shows, aber auch sehr ernsthafte Versuche. Das Kino hat mit Good Bye, Lenin oder Sonnenallee regelrechte Hits zum Thema abgeliefert, in beiden Fällen in einer parabelhaften, zugespitzten, unterhaltsamen Form.

Ein Film wie Das Leben der Anderen von Florian Henckel von Donnersmarck hingegen erhebt einen ernsthafteren Anspruch und wird mittlerweile Schulklassen vorgeführt, um ein wahres Bild von den Zuständen in Ostdeutschland zu zeigen. Dabei hat gerade dieser Film mit der DDR so viel zu tun wie Hollywood mit Hoyerswerda.

Die Hauptfigur in Das Leben der Anderen ist ein einsamer Wolf, der aus schwer nachvollziehbaren Gründen vom härtesten Stasimann zum guten Menschen mutiert. Seinen Auftrag erhält er von einem Minister, der den Apparat für persönliche Zwecke missbraucht. Der Film erzählt, durchaus wirkungsvoll, das Märchen vom guten Menschen, der in jedem von uns steckt, auch im schlimmsten Stasidenunzianten. So etwas kommt natürlich an, nicht zuletzt, weil es so schön beruhigend ist. Der Wahrheitsfindung dient es nicht.

Nun kann wirklich keinem Künstler aus dem Westen ein Vorwurf dafür gemacht werden, dass er sich mit DDR-Geschichte beschäftigt. Ganz im Gegenteil. Aber es stellt sich die Frage, warum die Filmleute aus dem Osten sich so still verhalten. Denn ärgern allein nützt nichts. Wenn einem die Bilder der anderen nicht passen, muss man eben selbst welche dagegensetzen.

Ein Teil der Wahrheit ist die bereits erwähnte Tatsache, dass die wenigsten Filmleute aus der DDR noch über Arbeitsmöglichkeiten verfügen. Aber was ist mit den anderen? Was ist mit mir?

Es hat mit Resignation zu tun, auch mit Enttäuschung. Bis 1997 habe ich drei filmische Versuche unternommen, in denen ich mich mit der DDR beschäftigt habe. Künstlerisch waren zwei davon zumindest akzeptabel, erfolgreich war keiner. Das breite Publikum mochte meine Sicht auf diese Dinge nicht sehen.

Viele Menschen im Osten wollen an die schmerzhaften Seiten der DDR-Geschichte nur ungern zurückdenken. Sie ziehen die freundliche Erinnerung vor, die ja auch immer etwas Verklärendes hat. Ansonsten versuchen sie, in der Gegenwart anzukommen. Die Wunden sollen verheilen, die Enttäuschungen vergessen werden.

Im Westen hingegen wird mit fremdem Blick auf die DDR-Geschichte geschaut, hinein in eine graue, etwas merkwürdige, abgeschlossene Welt mit kleinbürgerlichen Menschen und komischen Autos, eine Welt, in der es Verräter gab oder Widerstandskämpfer. Und wenig dazwischen. Die Geschichte dieses anderen Landes als Teil der eigenen Geschichte zu begreifen kommt kaum jemandem in den Sinn. Als wären Verrat und Opportunismus in dieser jetzigen Welt ganz unbekannte Größen.