Der Berliner Koch Tim Raue hat neulich im Fernsehen gesagt, die Deutschen gäben Unsummen für ihre Autos aus, aber bei dem, was sie sich selbst zuführten, "da nehmen sie den letzten Rotz". Man denkt an fehlernährte Männer in tiefergelegten Wagen auf Aldi-Parkplätzen und ist geneigt, dem ungeprüft zuzustimmen. Doch stehen nicht in Wahrheit noch viel mehr Autos mit Sternen vor Restaurants, die auch welche haben?

Vielleicht ist es die untersetzte Silhouette, vielleicht sind es die bratpfannengroßen Außenspiegel, die mich beim Q5 an einen Küchenchef denken lassen. Ein Schuhbeck-Typ, souverän, gutmütig, aber erstaunlich flink, wenn die Kamera sich auf ihn richtet. Gut vorstellbar, darin einen Weinberg hinaufzupflügen oder über schlammige Wege das Gehöft eines Züchters von Kobe-Rindern anzusteuern. Die Ladekapazität des Q5 reicht mit knapp 600 Kilo für einen soliden Wocheneinkauf samt einer Kiste Chardonnay. Das wichtigste Feature im Alltag ist die Heckklappe, die sich elektronisch öffnet und schließt, wenn man tütenbehangen aus dem Supermarkt kommt. Außerdem gibt es ein ausgeklügeltes System von Zurrgurten und Sicherungsstangen, um fragile Fracht im Kofferraum zu sichern.

Seitdem große Geländewagen an Sozialprestige verloren haben, sind fast alle Hersteller mit smaller utility vehicles herausgekommen. Der Q5 ist nur ein paar Zentimeter kürzer und schmaler, doch wirkt er im Vergleich zum wuchtigen Q7 wie ein Feingeist. Ein noch kleinerer Q3 ist unterwegs. Schon unterhaltsam, wie diese anachronistische, ursprünglich auf den US-Markt zugeschnittene Automode in immer neuen Varianten durchdekliniert wird. Ähnlich wie Cargo-Jeans. Die musste dann irgendwann auch jeder tragen.

Beim Verbrauch habe ich trotz aller Hightech-Versprechen den Eindruck, dass etwas von dem guten Chardonnay in den Bordcomputer gelaufen ist. Laut Selbstauskunft des Q5 liegt sein Verbrauch bei 13 bis 15 Litern – Diesel, nicht Weißwein. Der Gourmet-Frachter entpuppt sich als Gourmand. Das gibt schon ein Gschmäckle. Vielleicht auch der Grund dafür, dass eines Morgens in meinem sonst sozialneidfreien Kiez in Berlin zwei Reifen platt waren.

"Kein Brot für Öl" heißt es. Deshalb lieber: Öl aufs Brot. Die schönste Erinnerung an den Q5 habe ich als Foto auf meinem Handy. Es zeigt eine Tüte mit Saiblingsfilets, angegurtet im Kofferraum. Die waren wirklich lecker.

Technische Daten:
Motorbauart: 6-Zylinder-Turbodieselmotor
Leistung: 176 kW (240 PS)
Beschleunigung (0–100 km/h): 6,5 s
Höchstgeschwindigkeit: 225 km/h
CO²-Emission: 199 g/km
Durchschnittsverbrauch: 7,5 Liter
Basispreis: 47.900 Euro