Wir besuchen ihn spät. Er wird ja demnächst Pensionär. Man mag das kaum glauben angesichts dieses Jungfünfzigers vom Jahrgang 1942. Im Herbst scheidet Wolfgang Huber als Vorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Bereits im Mai will die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz einen neuen Bischof wählen. Seit 1994 hat Huber dieses Amt bekleidet, nein: erfüllt. Aber wie?

Die einen rühmen Huber als brillanten Kopf und Repräsentanten, der auf jeder Bühne glänzt. Anderen misshagt Hubers professoral-autoritäre Allwisserei, sein Managertalent. Wie man auch fühlt: So einen gab’s noch nicht. Seit sich in den neunziger Jahren die Berliner Republik erfand, gehört Wolfgang Hubers Stimme zum politischen Diskurs. Üblicherweise ist ein protestantischer Bischof kein Medienstar, sondern ein vergrößerter Pastor. Sein Tun und Reden, seine Prominenz verbleibt im kirchlichen Rahmen. Auch das Berlin-Brandenburgische Bischofsbild ist pastoral geprägt. Kurt Scharf (West) und Gottfried Forck (Ost) waren machtferne Hirten. Mit ihnen verglichen, erschien der omnipräsente summus episcopus Huber nahezu als Hofprediger, als demokratischer Restaurator der Allianz von Thron und Altar.