ZEITmagazin: Herr Wollstein, was macht einen guten Oberkellner aus?

Dieter Wollstein: Er braucht natürlich Sachkenntnis über den Kaffee und die Speisen. Aber vor allem muss er Menschen anleiten können. Bei allem, was die Mitarbeiter tun sollen, muss er mit gutem Beispiel vorangehen. Dazu gehört, dass man den Mitarbeitern genauso begegnet wie den Gästen. Wenn ich mit dem Personal schlecht umgehe, geht das Personal auch schlecht mit den Gästen um.

ZEITmagazin: Sie sind Geschäftsführer des Einstein Unter den Linden – trotzdem sieht man Sie jeden Tag die Gäste begrüßen, sie weisen ihnen die Tische zu, Sie sorgen dafür, dass sich jeder wohlfühlt.

Wollstein: Ich habe es für mich so definiert, dass ich einen dienenden Beruf ausübe. Ich diene dem Gast. Er soll sich wohlfühlen, er soll gut bedient werden – er soll hier gerne sein Geld ausgeben. Denn das Geld, das verdienen wir nicht im Büro, sondern hier im Kaffeehaus. Egal, wer zu uns kommt – jeder möchte für die Zeit, die er bei uns ist, das Gefühl haben, er müsse sich um nichts kümmern. Wir kümmern uns – und zwar um jeden Gast, egal, ob das Helmut Kohl ist oder Gerhard Schröder oder ein Tourist. Eigentlich ist es doch ganz einfach: Man sollte jeden Gast so behandeln, wie man auch zu Hause seine Gäste behandelt. Die begrüßt man ja auch, fragt, wie es geht, ob sie etwas trinken wollen.

ZEITmagazin: Was ist mit Diskretion? Im Einstein reden Politiker über Dinge, die nicht für die Öffentlichkeit bestimmt sind.

Wollstein: Alles bleibt am Tisch. Das weiß hier jeder Mitarbeiter, und das wissen auch die Gäste, die zu uns kommen.

ZEITmagazin: Seit 13 Jahren arbeiten Sie im Einstein. Mussten Sie in dieser Zeit jemals einen Gast rausschmeißen oder ein Hausverbot aussprechen?