DIE ZEIT: Herr Böhmer, Sie sind Rechtsexperte beim Bundesamt für Naturschutz. Sie wachen darüber, dass Urlauber keine geschützten Tiere und Pflanzen mitbringen. Ist das denn ein großes Problem?

Franz Böhmer: Oh ja. Wenn ein Flieger aus Vietnam oder Afrika ankommt – da können wir fast sicher sein, dass irgendwer etwas Verbotenes im Gepäck hat.

ZEIT: Was genau finden Sie da?

Böhmer: Im Moment sind Kobras sehr beliebt. Sie werden in Schnaps eingelegt oder zur Geldbörse verarbeitet. Auch lebende Reptilien werden gern mitgebracht. Die Deutschen sind passionierte Schildkrötenhalter. Manchmal sehen sie in Marokko oder Tunesien eine Landschildkröte durchs Gestrüpp kriechen. Die stecken sie einfach ins Handgepäck.

ZEIT: Und was ist mit dem Tigerfell als Kaminvorleger?

Böhmer: Bis vor ein paar Jahren war das ein Riesenproblem. Viele Reisende brachten Felle von Wildkatzen mit. Heute werden zwar wieder Pelze getragen. Aber die werden hier im Land gekauft. Wir finden höchstens dann und wann mal ein Schwarzbärfell. Sehr ruhig geworden ist es auch um Vögel wie Papageien oder Greifvögel, von denen alle Arten geschützt sind.

ZEIT: Sind die Leute vernünftiger geworden?

Böhmer: Wir führen das eher auf die Vogelgrippe zurück. Die Leute haben Angst, sich mit dem Vogel eine Seuche einzuschleppen.

ZEIT: Sind die Regelungen, was man mitbringen darf, nicht oft auch kompliziert?

Böhmer: Na ja, dass man lebenden Tiere nicht einfach mitnehmen darf, müsste jedem klar sein. Anders ist es mit Tierprodukten. Da gibt es einige, denen man ihre Herkunft nicht ansieht. Baumkorallen aus der Karibik etwa werden gerne in Schmuckstücke eingearbeitet. Die sehen dann fast aus wie schwarze Edelsteine. Viele nehmen sich als Souvenir eine Korallenkette oder einen Ring mit.

ZEIT: Stellen Sie also meist arglosen Touristen nach, die nicht ahnen, dass sie etwas Verbotenes tun?