Es gibt Bücher, die liebt man schon ob ihres Titels. Idylle mit ertrinkendem Hund ist so eines. Der Titel weckt eine Erwartung, aber auch eine Angst. Er legt eine Spur, auf der Michael Köhlmeier den Leser direkt in das Herz der Erzählung lockt, die man eigentlich eine Novelle nennen muss. Denn es ist tatsächlich unerhört, was hier geschieht.

In der idyllisch verschneiten Landschaft des alten Rheins werden wir Zeuge, wie ein Mann versucht, einen auf dem Eis eingebrochenen Hund zu retten. Wir werden diesem Kampf aus der Nähe beiwohnen. Und wir werden förmlich spüren, wie sich beide ineinander verbeißen, wie das eiskalte Wasser den Mantelärmel des Mannes langsam hinaufläuft und seinen ganzen Körper erfasst. Es sind Sätze so kalt und so klar und schneidend wie Winterluft.

Soll er den Mantel ausziehen, ihn mit dem Hund untergehen lassen und sich zumindest selbst retten, wenn er schon dem Hund nicht helfen kann? Soll er den Hausschlüssel, der in der Tasche steckt, verloren geben? Es geht also um Rettung. Und man ahnt sehr schnell, dass, wenn sie tatsächlich gelingen sollte, der Mann nicht nur den Hund, sondern auch sein eigenes Leben retten wird.

Dabei beginnt alles so harmlos: "Nur drei meiner Bücher hat Dr. Beer lektoriert. Die Arbeit am vierten brach er ab." Krankheitsgründe schiebt der Lektor vor. Ein Feigling ist er, man ahnt es gleich. In Wahrheit will er den Kontakt mit dem Icherzähler abbrechen, weil er sich vor ihm schämt. Schuld ist natürlich der Hund. Der Ton ist damit angestimmt: Es geht um das Ende einer Freundschaft, die nicht einmal begonnen hatte.

Der Ort der Handlung ist Hohenems, Österreich. Die Zeit: der harte, verschneite Winter 2006. Der Icherzähler empfängt seinen Lektor zum kurzen Arbeitsbesuch. Der Schnee liegt so hoch, dass er ihn mit einem Schlitten abholen muss. Dr. Johannes Beer, 60, geistreich und geheimnisvoll, verschwiegen, unnahbar, ein Mann, der Angst vor Hunden hat, reist mit einem enormen Alukoffer an, als würde er auf Safari gehen. Am Telefon hatte er bereits das Du angeboten. Wohl eher aus Versehen. Ein erster "Aufprall von Intimität", so empfindet es der Icherzähler, auf den bald der regelrechte Einbruch in sein Leben folgt. Dr. Johannes Beer wird sich nämlich in die Frau des Erzählers verlieben. Aber das ist nicht das eigentliche Problem. Nicht, was Beer tut, wird ihr Verhältnis zerstören, sondern das, was er unterlässt.

Dr. Beer ist seltsam. Er trägt einen Pyjama mit dazu passendem Hausmantel, er zieht die Haut vom heißen Kakao ab und isst sie. Er wirkt streng und kontrolliert und fällt doch plötzlich in kindliche Begeisterung, bei der sich seine Stimme überschlägt. Er singt und tanzt angesichts des begehbaren Pflanzen-Gesamtkunstwerkes, das die Hausherrin im Wohnzimmer hochgezogen hat. Seine Spaziergänge macht er am liebsten allein.

Bei einem dieser einsamen Gänge begegnet er einem Hund. Erst hat er Angst und klettert über einen Zaun. Aber der Hund folgt ihm den Zaun entlang, hält ihn offensichtlich für sein Herrchen. Der Hund wird Beer in gewisser Weise zähmen, denn am Ende füttert der Lektor ihn mit seinen Schinkenbroten. Kurz wirkt es wie der Beginn einer zauberhaften Freundschaft, aber am Ausgangspunkt angekommen, wird der Hund einfach sitzen bleiben. Und Dr. Beer kann als Held zurückkehren: Er hat sich mit einem Hund angefreundet, aber die Art, wie er die Geschichte in seiner Erzählung aufbläst, wie sie ihn stolz macht, lässt ahnen, dass sie hier noch nicht zu Ende ist.