Das England des frühen 19. Jahrhunderts wird nun von Satans Zombie-Armee belagert, und Cambridge ist längst gefallen. Die Protagonistin Elizabeth Bennet wurde wie ihre Schwestern von klein auf in asiatischem Kampfsport ausgebildet, und Fitzwilliam Darcy, der Mann, der in ihr Leben tritt, besitzt neben seinem Reichtum einen Ruf als Zombie-Jäger. Wie im Original wissen die Figuren, den Blick von Stolz und Vorurteil verstellt, noch nicht, was sie voneinander halten sollen. Doch sie grübeln nicht nur still vor sich hin, sondern verschaffen sich durch das Zerschlagen von Zombie-Attacken Luft. Elizabeth schwankt lange, ob sie Mr. Darcy lieber ehelichen oder sein "salziges, blumenkohlartiges Gehirn" verspeisen soll. Es geht für sie um mehr als ums Heiraten und Erben: ums Überleben. Das erste Zusammentreffen der beiden – er ignoriert sie bei einer Tanzveranstaltung und bezeichnet sie, von ihr zufällig belauscht, als unzureichend attraktiv – liest sich dann so:

"Als Mr. Darcy sich entfernte, fühlte Elizabeth, wie ihr Blut kalt wurde. Niemals im Leben war sie so beleidigt worden. Das Kriegerinnengesetz verlangte von ihr, dass sie ihre Ehre durch Rache wiederherstellte. Elizabeth griff unauffällig hinunter an ihren Knöchel. Dort fand ihre Hand den Dolch, den sie unter ihrem Kleid versteckt hatte. Sie wollte diesem stolzen Mr. Darcy nach draußen folgen, um seine Kehle zu öffnen. Doch als sie ihre Waffe gerade ergriffen hatte, erfüllte ein Chor aus Schreien den Ballsaal, begleitet vom Zerbersten der Fensterscheiben. Unaussprechliche fluteten in den Saal, ihre Bewegungen tollpatschig, aber flink, ihre Beerdigungskleidung in unterschiedlichen Stadien der Verrottung."

Ein Mash-up pendelt zwischen diesen Polen, der Erzeugung grotesker Unterhaltungseffekte und der Erkundung verborgenen Potenzials. Auch in Austens Original müssen sich die lebendigen Gefühle gegen das Korsett von Konventionen durchsetzen. Liest man Stolz und Vorurteil unter dem Eindruck der Zombie-Präsenz, so erkennt man, dass die Verheiratung für die Bennet-Töchter auch deshalb so wichtig ist, weil sie dadurch vor einem Dasein als Untote gerettet werden.

Sollte Jane Austen wie auf dem Cover von Grahame-Smith’ Bearbeitung tatsächlich als Zombie-Lady auf Erden wandeln, dann seien ihr robuste Nerven gewünscht, muss sie in diesem Jahr doch erleben, wie Stolz und Vorurteil zum Gegenstand eines weiteren bizarren Mash-ups wird: Elton Johns Filmfirma Rocket Pictures kündigt an, mit Pride and Predator eine Austen-Adaption vorlegen zu wollen, in der feindselige Außerirdische in die Welt von Stolz und Vorurteil einfallen. Die Dreharbeiten sollen in diesem Jahr in London beginnen.

Abgesehen von der Tatsache, dass Jane Austen lange genug tot ist, um kein Copyright mehr beanspruchen zu können, fragt man sich, was Stolz und Vorurteil als Mash-up-Objekt so attraktiv macht. Ist es die Keuschheit des unbedingten Redens und Reflektierens, die eine Vermischung mit drastisch-visuellen Genres der populären Kultur reizvoll erscheinen lässt? An den kühnen Paarungsversuchen mit Stolz und Vorurteil, diesem Longseller und vielmals adaptierten Stoff, zeigen sich wesentliche Züge des Mash-up-Prinzips. Die experimentelle Kollision im Teilchenbeschleuniger der Kultur ist der letzte Versuch, aus einem in allen Formen variierten und erforschten oder aber hoffnungslos hermetischen Gegenstand eine neue Erkenntnis herauszuholen. Ein Mash-up ist ein heuristisches Himmelfahrtskommando, ähnlich Dr. Frankensteins bedenkenlosem Experimentieren im Labor: Verpuffungen und Fehlversuche lassen sich nicht verhindern, doch eines Tages steht das Monster auf und lebt.