Der Regisseur hatte sich in sie verknallt. Sie stelle alle Konkurrentinnen ins Abseits, schwärmte er, denn: "Der Sex darf nicht gleich ins Auge stechen…" – "…ich brauche Damen, wirkliche Damen, die dann erst im Schlafzimmer zu Nutten werden." Wie man das erotische Geheimnis perfekt inszeniert, wusste er genau: "Ich zeige sie meistens im Profil, mit einem klassischen Ausdruck…" So drehte er jenen Film, in dem sie pausenlos die Garderobe wechselt. Und was immer sie trug, sie sah atemberaubend darin aus – verhüllte Erotik eben.

Kein Wunder, dass sie zum Happy End den Mann ihres Herzens um den Ringfinger gewickelt hatte. Bis zu diesem Zeitpunkt war aber nicht nur im Film, sondern auch im Leben alles recht proper für sie gelaufen. Aufgewachsen in reichen Verhältnissen, trotzte sie den sportbegeisterten Eltern die Zusage ab, statt zum Rudertraining in den Schauspielunterricht zu gehen. Immerhin gab es einen preisgekrönten Dichter in der weit verzweigten Verwandtschaft – wer zweifelte da, dass auch ihr das Künstlerische lag?

So wurde sie ein Star: als Verkörperung der Traumfrau, die man(n) vom Fleck weg zum Traualtar führt. Erst spät enthüllte eine Biografie, dass sie durchaus auch zur Geliebten getaugt hatte. Abseits der Kamera genoss sie heimlich manche Affäre, forsch verkündete sie: "Meine Karriere liegt mir mehr am Herzen als der Gedanke an die Ehe. Wenn ich jetzt aufhörte… dann würde ich mich womöglich mein Leben lang mit dem Gedanken quälen, welch große Schauspielerin ich hätte werden können." Doch kurz darauf hatte sie ihr Statement vergessen. Vielleicht war ihr doch die echte Liebe begegnet, oder die Realität hatte das ideale Drehbuch für sie entworfen. Die Zutaten jedenfalls standen fest: Kinder, Küche, etwas Glamour, etwas Kirche. Und Devisen. Und der Regisseur? Er klopfte noch ein paar Mal vergebens bei ihr an und fand schließlich eine Ersatzdarstellerin, stylte die nach ihrem Vorbild und drehte den Film, der ihn zur Legende machte. Doch auch schon die früheren drei, die mit ihr, hatten das Zeug zum Kinoklassiker.

Es mochte auf seltsame Weise zu ihrem Image passen, dass sie ihre Kreativität später nur noch in der Botanik auslebte. Eine Journalistin äußerte sich ziemlich befremdet: "Blumenpressen ist wahrscheinlich die trostloseste Kunstform, die die Menschheit kennt… die Blumen sehen tatsächlich tot aus." Fühlte sie sich etwa so: ein Schmuckstück, gepresst in leblose Form? In einem Interview anlässlich ihrer Silberhochzeit plauderte sie von ihren vielfältigen Pflichten, sie habe 16-Stunden-Tage: "Ich bin so beschäftigt, wie jemand überhaupt nur sein kann." Nur ein Happy End fand nicht statt. Und da die damals minderjährige Tochter sich nicht mehr erinnern konnte oder wollte, blieben die Umstände im Dunkeln, die zum Tode ihrer schönen Mutter geführt hatten.

Wer war's?

Frauke Döhring

Lösung aus Nr. 17:
Carsten Niebuhr (1733–1815) aus Lüdingworth (Cuxhaven), trat nach seinem Studium in dänische Dienste. 1761 wurde er als Kartograf in die dänische Arabien-Expedition berufen, die der Orientalist J. D. Michaelis angeregt hatte. Niebuhr vermaß die Pyramiden von Giseh und fertigte vom Jemen, dem Ziel der Expedition, die erste genaue Karte an. Nach dem Tod seiner fünf Gefährten trat er von Mumbai aus die Rückreise an – in arabischer Tracht unter dem Namen Abdallah. Das "Juwel des Orients" war für ihn die Ruinenstadt Persepolis