Die Firma Apple hat gewissermaßen die weißen 2000er geschaffen: das weiße MacBook, den weißen iPod und natürlich dazu die weißen iPod-Kopfhörer. Alles, was irgendwie modern sein sollte, musste weiß sein. Das erste Jahrzehnt der 21. Jahrhunderts war entfärbt. Nun geht das Jahrzehnt zu Ende und mit ihm die Farbe Weiß. Die neuen MacBooks sind aus Aluminium, statt des iPods dudelt das silber-schwarze iPhone – nur die Kopfhörer, die sind immer noch weiß. Wer früher weiße Apple-Ohrhörer trug, der gab sich als eine Art Besser-Verbraucher aus, eine erhellte Avantgarde. Heute sind Musikabspieler von Apple nicht mehr Sache des Besser-Verbrauchers, sondern Massenware. Und weiße Ohrhörer sind nicht mehr Zeichen besonderer Ansprüche, sondern schlechter Klangqualität.

Durch die allgemeine Mobilmachung der Gesellschaft hat sich der Kopf- oder Ohrhörer zu einem Erkennungszeichen entwickelt, wie einst der Hut. Jeder hört Musik auf der Straße, und an der Art, wie man das tut, lässt sich auf die Eigenschaften des Trägers schließen. Wer sich Stöpsel, klein wie Hörgeräte, in die Ohren stopft, zeigt damit, dass er am liebsten gar nicht auffallen möchte. Klangschalen, wie sie DJs tragen, erzählen davon, dass ihr Besitzer das Leben als Clubbesuch sehen möchte, der nie endet. Und dann gibt es noch die technisch hochgerüsteten Objekte, wie sie etwa die Firma Sennheiser produziert. Wahre Maschinen, die durch Gegenschall den Außenlärm reduzieren und ausdrücken: "Lasst mich allein. Ich interessiere mich nicht für die Außenwelt, deswegen ist es mir auch egal, ob ich mit einer Apparatur herumlaufe, die aussieht, als habe jemand ein Tonstudio auf meiner Schädelplatte eingerichtet."

Als Mode-Accessoire ist der Kopfhörer allerdings noch weitgehend unentdeckt. Geräte, die gut klingen und auch noch gut aussehen, sind selten. Einen Anfang macht die Firma Bang & Olufsen. Die Dänen haben pünktlich zum Frühjahr ihre klassischen A8-Ohrhörer, die von Anders Hermansen gestaltet wurden, in mehreren Farben aufgelegt. Es gibt sie nun beispielsweise in Grün, Gelb und Orange. Damit kann jeder schon jetzt mitbestimmen, welche Farbe nach dem allgegenwärtigen Weiß das nächste Jahrzehnt prägen soll. Nur bitte kein Schwarz.