Der Efeu wurde an dieser Stelle schon von dem Vorwurf freigesprochen, das Mauerwerk von Häusern zu zerstören. Er hat lediglich Haftwurzeln, die auf den Wänden kleben und nicht in sie eindringen (ZEIT Nr. 38/06).

Das ist auch der Grund, warum ein Efeubewuchs für einen Baum zunächst einmal ungefährlich ist. Die Kletterpflanze ist kein Schmarotzer, sie saugt keine Nährstoffe aus dem Baum, sondern benutzt ihn lediglich als Gerüst, um in die Höhe zu wachsen. Nahrung bezieht sie aus ihren eigenen Bodenwurzeln.

Auch die Vorstellung, der Efeu würde den Baum "erwürgen", also ihn umschlingen und am Breitenwachstum hindern, ist falsch. Die Pflanzen wachsen in die Höhe, sie wickeln sich nicht um den Stamm.

Es gibt zwei mögliche Wege, wie eine aggressiv wachsende Efeupflanze einen Baum schädigen könnte: erstens, indem sie ihm unter der Erde mit ihren Wurzeln Konkurrenz macht, und zweitens, indem sie bis in die Baumkrone vordringt und den Blättern ihrer Stütze das Licht nimmt.

Das wird nach Ansicht der meisten Experten aber nur dann relevant, wenn der Baum ohnehin kränkelt. Dann kann der Efeu ihm sozusagen den Rest geben. Ansonsten wachsen Bäume, die mit Efeu bewachsen sind, nicht schlechter als Bäume ohne Bewuchs. Christoph Drösser

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