Während die großen Hersteller im gesättigten Handymarkt verzweifelt versuchen, ihre Umsätze wenigstens zu halten, steuert eine Firma wacker gegen den Branchentrend. Die österreichische Emporia verdoppelte im vergangenen Jahr den Verkauf ihrer Mobiltelefone. Wie das?

Das Phänomen wird in einem Telefongeschäft verständlich. Keine zehn Minuten vergehen, bis eine etwa 70-jährige Lady den Laden betritt und sich umsieht. Die Nokias, Samsungs und Sony Ericssons, alle klein und leicht, üppig ausgestattet mit Multi-Millionen-Farben-Displays, Megapixel-Kameras, Bluetooth- und USB-Schnittstellen – sie lassen die Dame kalt. Zielstrebig steuert sie auf das Emporia LIFE plus zu. Es ragt zwischen den anderen Geräten hervor, eindeutig das größte Handy hier. Ein Schild daneben listet auf, was ihr offenbar wichtig ist: "Einfache Bedienung, super Lautstärke, Notfall-Knopf, Taschenlampe".

Seniorenhandys! Doch nur jeder Dritte im Alter über 65 besitzt ein Mobiltelefon. Emporia hält die Marktlücke seit drei Jahren weitgehend besetzt. Seltsamerweise gibt es kaum Konkurrenz, und wenn, dann tritt sie halbherzig auf.

Albert Fellner, Geschäftsführer von Emporia, stellt seine neuesten Modelle so vor: "Einige Funktionen moderner Handys braucht ein Seniorenhandy nicht. Sie würden nur verwirren. Andere Eigenschaften, die für ältere Menschen wichtig sind, weisen bisherige Modelle nicht auf." Bei jüngeren Betrachtern, die an iPhones und farbige Touchscreens gewöhnt sind, löst der Anblick der aufgereihten Seniorenhandys zunächst Befremden aus, weckt Erinnerungen an die großen Geräte der mobilen Steinzeit. Die Tasten wirken doppelt so groß, das Display leuchtet in Orange – andere Farben gibt es nicht. Große Tasten und kontrastreiche Displays, um schwachen Augen und Fingern zu helfen – das klingt einleuchtend. Aber so was kriegt man schon lange hin. Dann könnten die Älteren genauso gut alte Handys ersteigern.

Nein, erst die Details machen den Klotz zum Seniorenhandy. Seine Entwicklung prägten jene, die es später benutzen sollten. Albert Fellner und seine Ingenieure besuchten Seniorenheime und verteilten Prototypen zum Testen. Dabei lernten sie, dass Menschen, die ohne Internet und Computer aufgewachsen sind, einiges anders verstehen. "Es fing schon bei den Begriffen an. Wenn ich von Menü sprach, meinten viele, das sei doch eine Speisekarte im Restaurant", sagt Fellner. Immer wieder gaben die Emporia-Entwickler Geräte in Seniorenheimen ab – und besserten nach.

Etwa den scheinbar trivialen Einschaltknopf. Beim normalen Knopf sind Rentner oft unsicher, ob sie ihn nun gedrückt haben oder nicht. Deshalb besitzt das Seniorenhandy einen mechanischen Schiebeschalter mit zwei Positionen: an und aus. Ein Blick genügt, man weiß Bescheid.