Ein Wort wie eine Maschinengewehrsalve. Matataterialmängel. Und genauso gefährlich obendrein: Materialmängel waren laut Spiegel »mitverantwortlich« für die Erdbebenkatastrophe in den Abruzzen mit fast 300 Toten. Ein echtes Killerwort. Aber nicht nur Italien, auch Deutschland ist bedroht, und zwar gleich in seinem Zentrum der Macht, im Berliner Regierungsviertel. Dort bröckelt es an Kanzleramt, Ministerien und Regierungsgebäuden, weil überall Mängelmaterial verbaut wurde. Zum Glück gibt es in Berlin Mitte nur selten Erdbeben. Die maroden Parlamentsgebäude würden einem Erdstoß wohl kaum standhalten, und Angela Merkel müsste den obdachlosen Abgeordneten ihre Wohnung anbieten. Das Wort ist aber vor allem ein verschleiernder Euphemismus, es ist geradezu der »Kollateralschaden« des Baugewerbes. Denn es schiebt die Schuld auf das schnöde Stoffliche, macht den Mörtel zum »Mitverantwortlichen« für verschüttete Hausbewohner und teure Reparaturen (rund 70 Millionen sollen die Ausbesserungen in der Hauptstadt kosten) und tarnt die wirklichen Verursacher: die mangelhaften Menschen, die zwecks persönlicher Bereicherung in einem Erdbebengebiet windige Häuser bauen.

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