Kaum einer hat sich so gründlich mit seiner Umwelt angelegt wie Carl Albert Loosli. Er kämpfte gegen Faschismus und Antisemitismus, forderte das Frauenstimmrecht, wetterte gegen das helvetische Anpasser- und Duckmäusertum, kritisierte die Flüchtlingspolitik, die Freisinnigen, die Kirchen, Rechtsprechung und Anstaltswesen. Doch trotz der Gegnerschaft, die sich der Schriftsteller und Journalist zusammenschrieb, kennt ihn heute fast niemand mehr. Der 1877 unehelich geborene Loosli war ein Ausgegrenzter, lebenslang.

Seine Mutter sah er nur fünfmal, sie blieb ihm "unheilbar fremd". Sie übergab das Kind einer Pflegemutter. Als 44-Jähriger schrieb Loosli an seine Mutter: "Wir kennen uns nicht, und wir haben uns nie gekannt." Seinen Vater sah er nie. Die Katastrophe in Looslis Leben begann mit dem Tod der Pflegemutter. Der elfjährige Junge kam 1888 in ein Waisenhaus und durchlief in den nächsten 15 Jahren eine brutale Heimkarriere mit 27 Stationen in Besserungsanstalten, Zwangserziehungsheimen, Armenhäusern, Gefängnissen und Irrenanstalten. Das Einzige, was er dabei lernte, war die französische Sprache, da er längere Zeit in einem Heim in Grandchamp (Kanton Neuenburg) verbrachte.