Aber wie? Hier gehen die Meinungen auseinander – entsprechend unübersichtlich sind die derzeitigen Angebote der Arztausbildung. Nicht nur in Hannover, auch etwa in Bochum, Heidelberg und Berlin bietet dieselbe Universität jeweils zwei verschiedene Wege parallel an, die am Ende zum Arztberuf führen. Die Grenze verläuft quer durch die Semester. So experimentieren die Universitäten munter und meist erfolgreich, aber untereinander unkoordiniert vor sich hin.

Im Modellstudiengang der Berliner Charité etwa setzt man Schauspieler ein, die Patienten spielen; an der medizinischen Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg dagegen auf problemorientiertes und interdisziplinäres Lernen. "Die klassischen Fachgrenzen bei uns werden durchbrochen, der Unterricht orientiert sich an Organen und Krankheitsbildern", erklärt Jutta Becher vom Studiendekanat der Mannheimer Fakultät und verweist obendrein noch auf die überwiegend positiven Studierendenurteile der eigenen Evaluationen.

Während die Universitäten ihre Reformpläne umsetzen, plant man vonseiten der Kultusminister bereits den nächsten Umbruch: die Ausweitung des sogenannten Bologna-Prozesses. Nachdem fast alle anderen Studienfächer die europäische Hochschulreform durchlaufen haben, will man sich nun auch an die Bollwerke der alten Ära wagen, Jura etwa – und Medizin. Das Ziel: Auch das Medizinstudium soll in eine Bachelor- und eine Masterphase unterteilt werden.

Die Diskussionen sind bereits in vollem Gange. Die Kultusministerkonferenz will die Reform schon seit Längerem auf die Staatsexamens-Studiengänge ausweiten: um international wettbewerbsfähig zu bleiben, heißt es von den Politikern. Die Bundesärztekammer dagegen ist verschreckt von herumgeisternden Ideen, alle Pflege- und Heilstudiengänge im Bachelor zusammenzulegen. Das Qualitätsstudium der Medizin würde auf diese Weise völlig aufgeweicht, warnen die Ärzte.

Trotzdem wird der Bachelor wohl auch vor der Medizin nicht haltmachen. "Ich gehe davon aus, dass im kommenden Jahr die ersten Studenten anfangen werden, Medizin auf Bachelor und Master zu studieren", sagt Hahn von der GMA. Die Universität Hamburg sitzt schon in den Startlöchern und möchte sich als Vorreiter etablieren. Beim aktuellen Ranking dagegen ist sie vielfach noch Schlusslicht, was ihren Mut für den Neuanfang erklären mag. Ein konkretes Konzept für einen Bachelor- und Masterstudiengang Medizin haben die Hamburger bereits vorgelegt, das Land muss nur noch zustimmen. Wenn es so weit ist, will man die Ausbildung gleich mit verbessern. Als Vorbild könnten die Modellstudiengänge dienen.

Sie sind vor allem deshalb so erfolgreich, weil sie früher und stärker auf Kontakt mit den Patienten bauen – ohne dabei das theoretische Wissen zu vernachlässigen. Denn die Studenten sollen am Ende der Ausbildung nicht nur Blut entnehmen können, sondern auch wissen, warum sie das tun. Auch in Hannover lernte Hendrik Rott wie sein Kommilitone Marc Riemer Fotosynthese und Hebelgesetze. Daran führte kein Weg vorbei: Ob Modellstudiengang oder nicht, am Ende müssen alle Studenten ihr Wissen in der letzten Prüfung des Studiums, dem zweiten Staatsexamen, unter Beweis stellen.