Die Offiziere der zaristischen Armee im 19. Jahrhundert sind wohl tatsächlich ziemliche Raubeine gewesen, und auch mit ihren Schusswaffen gingen sie nicht zimperlich um. In dem Roman Ein Held unserer Zeit von 1840 schildert Michail Lermontow eine Szene, in der eine Gruppe gelangweilter Soldaten über die Vorsehung diskutiert. Einer von ihnen nimmt eine an der Wand hängende Pistole, hält sie sich an den Kopf und drückt ab. Es macht nur "klick". Dann zielt er an die Decke, und es knallt ein Schuss.

Unter russischem Roulette versteht man aber das vorsätzliche Laden eines Revolvers mit nur einer Kugel und das anschließende Drehen des Magazins, um aus der Sache ein Glücksspiel auf Leben und Tod zu machen. Dieses Spiel wird erstmals 1937 in der Kurzgeschichte Russian Roulette des amerikanischen Autors Georges Surdez erwähnt.

Dort erzählt ein russischer Offizier, man habe das Spiel um 1917 in einer desolaten militärischen Situation in Rumänien gespielt, allerdings in der umgekehrten Version, mit fünf Kugeln und einer leeren Kammer. Aber auch die heute bekanntere Variante mit nur einer Kugel erwähnt Surdez.

Der Krimi-Autor ist ansonsten nicht sehr bekannt geworden, aber der Titel seiner Geschichte wurde zum geflügelten Wort. Dafür, dass das russische Roulette früher wirklich in der russischen Armee gespielt wurde, gibt es allerdings keinen einzigen Beleg. Christoph Drösser

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