In seinem Palast in Ougadougou war der Kaiser der Mossi außer sich. Der Herrscher des stolzen Reitervolkes, das im 15. Jahrhundert die Savannen des Voltabeckens, das heutige Burkina Faso, erobert hatte, war fest entschlossen, den Vergleich mit finsteren Talschaften in der Alpenregion nicht auf seiner Heimat sitzen zu lassen. Schließlich rief der Herrscher den Kronrat ein, zu ernst war die Situation. Eilig versammelten sich die Edlen des Landes im Kronsaal. Es erschien der erste Berater des Kaisers, der auch die Kavallerie kommandiert; es kamen außerdem der Baloum Naaba, dem die Finanzen anvertraut sind, ebenso der Hüter der Grabstätten und der Eunuch Kamsaogh Naaba, dem der kaiserliche Harem unterstellt ist. "Wie konnte es dieser Teutone wagen, die Wiege unseres Reiches in einem Atemzug mit der Schweiz, mit Österreich zu nennen!", sagte der Monarch mit bebender Stimme. "Und wo befinden sich diese Orte überhaupt?", fragte er in die Runde. Geraume Zeit verstrich, bis die Minister die kleinen Flecken auf dem Globus ausgemacht hatten. Sie waren sich einig, dass dort wahrscheinlich großer Mangel herrschen musste, wenn diese Länder in ihrer Not den Zorn eines kriegserfahrenen Volkes heraufbeschworen, indem sie klammheimlich das Vermögen der Millionäre aus dem Nachbarland in ihre Schatzkammern lockten und dort verbargen. Vielleicht konnte man ihnen mit gutem Rat beistehen. "Wir werden an der Konferenz teilnehmen, zu der wir eingeladen wurden", erklärte der Kaiser, "wir können dort Entwicklungshilfe leisten, da wir ein Mitglied der Union Economique et Monétaire Ouest Africaine sind, in der man die wirtschaftliche und fiskale Politik aufeinander abstimmt." Unverzüglich wurde der Botschafter Xavier Niodogo auf die beschwerliche Reise geschickt. "Wir verlangen eine Entschuldigung", lautete sein unmissverständlicher Auftrag, "denn wir nehmen die Nennung unseres Landes in dieser Reihung mit vermeintlichen Steuerparadiesen übel." Schließlich konnte man sich auf einen freundlichen Herren namens Frank-Walter Steinmeier berufen, der unlängst, an einem heißen Februartag, ein Fußball-Internat in Ouagadougou besucht und auf dem holprigen Platz sogar einen Elfmeter verwandelt hatte. Er ist in Berlin ein einflussreicher Mann, eine Art Vorgesetzter des Beleidigers. Und er erklärte nun: "Ich war selbst dort. Ich wäre nie auf diesen Vergleich verfallen." Der weiß Bescheid über die Redlichkeit der Mossi.