Grandios gescheitert sind sie, die listigen Angreifer aus Stuttgart bei ihrer Attacke auf Wolfsburg. David wird Goliath nicht am Nasenband führen. Die ersten Überraschungserfolge ließen die Porsche-Anführer die gebotene Vorsicht vergessen. Zwei Jahre lang gelang es ihnen, höhere Gewinne als Umsatz zu schreiben, und überdies erwarben sie mehr als 40 Prozent der Volkswagenaktien. So etwas hatte noch keiner zuvor geschafft. Vielleicht glaubte man in der Zuffenhausener Porsche-Zentrale schon, das Perpetuum Mobile der Geldvermehrung erfunden zu haben. Doch diese Arroganz hat sich spätestens gerächt, seit im Frühjahr die mit den Aktienkäufen aufgeladenen Schulden untragbar wurden.

Die erste Lehre daraus ist, dass die Zeiten vorbei sind, in denen mithilfe trickreicher Finanztransaktionen das große Übernahmerad gedreht werden konnte – und das ist gut so.

Freilich, der gegnerische Versuch von VW, nun Porsche zu übernehmen, schlug vorerst ebenfalls fehl. Und auch das ist gut so. Denn das hätte die Überheblichkeit einiger handelnder Figuren dort ins Unerträgliche gesteigert. Wozu das führen kann, ist aus der jüngeren Volkswagen-Geschichte abzulesen. Lustreisen und Luxusstrategie stehen dafür.

Jetzt haben sich die Finanziers des Porsche-Coups, die auf Gedeih und Verderb vertraglich zusammengehörenden Familien Porsche und Piëch, auf eine neue Formel verständigt: Die Fusion zu einem "integrierten Autokonzern" unter einem Dach soll kommen, mit zehn Marken, inklusive Porsche. Vier Wochen haben die Milliardäre ihren Angestellten bei Porsche und VW Zeit gegeben, um einen detaillierten Plan dafür auszuarbeiten. Sie können das verlangen. Schließlich gehören ihnen sämtliche Stammaktien der Porsche SE, und über diese kontrollieren sie mehr als die Hälfte des Volkswagen-Kapitals. Aber auch die Enkel des Käfer-Konstrukteurs Ferdinand Porsche zahlen dafür, dass sie in ihrer Gier nach Macht und Milliarden keinen Sinn mehr für die Gefahren ihres Tuns hatten. Den Kauf des letzten VW-Aktienpakets, der den Schuldenstand auf neun Milliarden Euro verdreifachte, haben sie im Aufsichtsrat einstimmig genehmigt.

Jetzt bekommen sie die Quittung. Bevor eine Fusion denkbar ist, müssen sie in ihre Porsche SE nochmals viel eigenes Kapital nachschießen. Anstatt als allmächtige Herrscher sowohl die Geschicke von Porsche als auch die des größten europäischen Autokonzerns zu bestimmen, müssen sie auf andere künftig Rücksicht nehmen. Und zwar dauerhaft: Ohne den zweitgrößten VW-Aktionär, Niedersachsen, können sie ihren neuen Plan nicht verwirklichen. Und Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff wird sich die bislang durch das VW-Gesetz geschützten Sonderrechte bei wichtigen Unternehmensentscheidungen nicht abhandeln lassen. Gleiches gilt für die Arbeitnehmer, die bei VW durch Satzung und Gesetz mehr Einfluss haben als in jedem anderen deutschen Großunternehmen. Schon wünschen sich die Porsche-Kollegen ebenfalls solche Privilegien.

Die Macht beim geplanten neuen VW-Porsche-Konzern muss also geteilt werden. Das kann gut für das Unternehmen sein. Vorausgesetzt, alle beteiligten Parteien lernen aus dem missglückten Verlauf der bisherigen Annäherung.