Auf seine Art steht Edgar Meister für die neue Zeit. An diesem Freitag wird ihn die Hauptversammlung der Commerzbank in den Aufsichtsrat des Kreditinstituts wählen – stellvertretend für 81 Millionen Deutsche. Die Bundesrepublik Deutschland ist inzwischen der größte Aktionär des privaten Geldhauses. Und Edgar Meister soll als einer von drei Vertretern des Bundes die Bank kontrollieren.

Der 68-Jährige hat fast sein ganzes Berufsleben im öffentlichen Dienst verbracht. Er war im Vorstand der Bundesbank, davor Finanzminister von Rheinland-Pfalz. Er war auf der Seite des Staates. Die Manager der Privatwirtschaft, das waren die anderen.

Jetzt aber verschwimmen diese Grenzen. Edgar Meister muss das Wohl des Staates im Blick haben und das der Commerzbank. Er muss Betriebswirtschaft und Politik unter einen Hut bringen. Es ist eine Gratwanderung.

Mehr als 200 Milliarden Euro an Garantien und direkten Kapitalhilfen hat der Bund eingesetzt, um ein Finanzsystem zu stützen, das die Welt an den Rand des Abgrunds gebracht hat. Weil es nicht anders ging, weil sonst die gesamte Wirtschaft zusammengebrochen wäre. Der Staat hat sich eingemischt, und von Woche zu Woche wurden die Summen, die man ausgeben musste, größer. Das Problem aber blieb.

So greift er jetzt noch stärker ein. An diesem Mittwoch hat das Bundeskabinett das Gesetz zur Schaffung sogenannter Bad Banks beschlossen. Bald schon sollen die Banken Schrottpapiere aus ihren Bilanzen dorthin abstoßen können. Nach außen wird dies von allen Beteiligten als Schlusspunkt der Finanzkrise verkauft – nach dem Motto: Wir entlasten die Banken, jetzt springt auch der Kapitalmarkt wieder an. Tatsächlich aber ist das Gesetz nichts anderes als der Auftakt zu einer der größten industriepolitischen Operationen der Nachkriegsgeschichte: dem Umbau des deutschen Finanzsektors.

Um die Frage des Geldes geht es dabei längst nicht mehr. Hochrangige Regierungsmitglieder räumen ein, dass der Bund in den kommenden Wochen weitere Milliardenbeträge ausgeben muss, um angeschlagenen Geldhäusern beizuspringen. "Das Problem der Unterkapitalisierung ist durch den Aufbau von Bad Banks ja nicht gelöst", heißt es.

Das ist also klar. Jetzt geht es um die Gegenleistungen, die für das Geld der Steuerzahler erbracht werden müssen. Und das bedeutet: Es geht um handfeste Interessen und Verteilungskonflikte.