In der Theorie ist Konjunkturförderung wunderbar einfach: Die Europäische Zentralbank (EZB) senkt die Leitzinsen, damit die Kredite für Verbraucher und Unternehmen billiger werden. Dann können die Konsumenten schicke neue Möbel kaufen, die alte Waschmaschine gegen ein Energiesparmodell auswechseln oder endlich daran denken, ein eigenes Häuschen zu bauen. Und die Firmen stocken ihre Investitionen auf und sichern so Arbeitsplätze.

In der Praxis gibt es allerdings ein Hemmnis, das zwischen der EZB und der realen Wirtschaft steht – die Banken. Die nämlich geben die Zinssenkungen der Notenbank nicht weiter oder nur mit großer Verzögerung und nicht in vollem Umfang. "Die Kreditinstitute passen die Zinsen vielfach nicht entsprechend den Marktentwicklungen an", sagt Frank-Christian Pauli, Bankenreferent beim Bundesverband der Verbraucherzentralen.

Die Fakten geben ihm recht: Seit dem vergangenen Oktober hat die EZB den Leitzins schrittweise von 4,25 Prozent auf jetzt nur mehr 1,00 Prozent heruntergesetzt. Doch Konsumentenkredite zum Kauf neuer Computer, Fernseher oder Schrankwände sind unverändert teuer. Im Oktober nahmen die Geldhäuser für Ratenkredite bei 36 Monaten Laufzeit im Schnitt 8,2 Prozent. Derzeit sind es nur unwesentlich weniger – nämlich 7,9 Prozent, stellte die Finanzberatung Max Herbst (FMH) aus Frankfurt jüngst bei ihrer regelmäßigen Umfrage fest.

Ebenso wenig bewegen sich Banken, Sparkassen und Volksbanken bei den Dispo-Krediten. Wer sein Girokonto überzog, dem berechneten die Institute im Herbst Zinsen von durchschnittlich 12,55 Prozent. Derzeit sind es nach Berechnungen der FMH immer noch 11,80 Prozent. Dabei langen nicht alle Geldinstitute gleichermaßen zu. So hat die HypoVereinsbank den Dispo-Kredit um zwei Prozentpunkte auf 11,05 Prozent verbilligt. "Das Bild ist diffus", räumt Verbraucherschützer Pauli ein. "Manche Banken senken die Zinsen, andere erhöhen sie noch."

Merklich billiger hingegen ist Baugeld geworden. Bei Hypotheken, bei denen die Konditionen für die Dauer von zehn Jahren festgelegt werden, gingen die Zinsen seit dem Herbst im Mittel von 5,1 auf 4,3 Prozent zurück. Werden die Zinsen lediglich für fünf Jahre festgeschrieben, kommen die Bauherren derzeit sogar mit 3,8 Prozent davon – das sind 1,2 Prozent weniger als im Herbst 2008. Für die Banken sank der Zins im selben Zeitraum aber immer noch um mehr als doppelt so viel.

Auf der anderen Seite sind die Kreditinstitute rasch dabei, den Kunden die Guthabenzinsen zu kürzen. Für Tagesgeld gibt es derzeit bei einer Anlagesumme von 5000 Euro im Mittel nur noch 1,88 Prozent. Im Herbst waren es zeitweise 3,57 Prozent. Bei Sparbriefen mit einer Laufzeit von zwei Jahren schreiben die Banken jetzt nur noch rund 2,2 Prozent gut. Vorigen Herbst konnten Sparer noch mit 4,3 Prozent rechnen – gut zwei Prozent mehr.