DIE ZEIT: Herr Steudtner, Sie sind Deutschlands bester Tow-Surfer. Was genau machen Sie?

Sebastian Steudtner: Ich lasse mich von einem Jetski hinaus aufs Wasser bringen – und reite Riesenwellen, die bis zu 20 Meter hoch sind.

DIE ZEIT: Was war Ihre perfekte Welle?

Steudtner: Jaws am Strand von Hawaii. Jaws werden auch Haifischrachen genannt und können bis zu 70 Stundenkilometer schnell werden. Sie zu surfen ist, als hätte man eine Lawine im Rücken, die einen verfolgt.

DIE ZEIT: Ist das nicht riskant?

Steudtner: Ja. Beim kleinsten Fehler könnte ich mein Leben verlieren. Ich muss die Welle genau kennen, um Risiken zu mindern.

DIE ZEIT: Ihre Erfahrungen sind neuerdings auch in der Wirtschaft gefragt: Auf Kongressen sprechen Sie darüber, wie man sich in schwierigen Situationen behauptet. Was hat denn Surfen mit Wirtschaft zu tun?

Steudtner: Es gibt durchaus Parallelen. Beim Tow-Surfen ist eine perfekte Vorbereitung wichtig. Ich verbringe viel Zeit damit, meteorologische Berichte zu studieren. Orkane etwa sind mögliche Vorboten für Riesenwellen, die ja sehr selten sind. Sie entstehen nur an ein paar Tagen im Jahr. Und sie laufen nur an wenigen Orten der Welt, zum Beispiel vor Tahiti, Südafrika, Kalifornien oder vor Hawaii. Man muss die Lage sehr gut beobachten, um zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. In der Wirtschaft ist das genauso: Nur wer den Markt genau kennt, kann eine Marktlücke entdecken. Und für beide, Firmenbosse wie Tow-Surfer, ist der Respekt wichtig, den andere vor einem haben.

DIE ZEIT: Was heißt das konkret?