DIE ZEIT: Herr Weise, waren Sie schon mal arbeitslos?

Frank-Jürgen Weise: Nein, aber ich habe Arbeitslosigkeit in der Familie und bei Bekannten erlebt.

ZEIT: Können Sie nachempfinden, was in denen vorgeht, die jetzt ihren Job verlieren?

Weise: Ich denke ja. Ein guter Bekannter von mir verlor seinen Job, weil die Firma insolvent wurde. Er hat unglaublich lange gebraucht, um wieder eine Stelle zu finden, ein ganzes Jahr. So etwas nagt am Selbstwertgefühl und ändert den Blick auf das ganze Leben. Ich wusste, dass er sehr qualifiziert war, und hatte damit nicht gerechnet. Aber das war 2002, die Arbeitsmarktsituation war sehr schlecht.

ZEIT: Wie hoffnungslos ist jetzt die Lage?

Weise: Auf keinen Fall hoffnungslos, in manchen Branchen und Regionen allerdings schwierig. Aber der Arbeitsmarkt ist durchlässiger als früher. Es gibt vielfältigere Arbeitsformen, und mancherorts werden weiter Mitarbeiter gesucht – vor allem Fachkräfte.

ZEIT: Wo?

Weise: Zum Beispiel dort, wo ein Flughafen entsteht oder wächst: In Berlin-Schönefeld, in Frankfurt, in München.

ZEIT: Ihre Agentur ist ein Frühwarnsystem, denn bei Ihnen müssen Entlassungen Monate im Voraus gemeldet werden. Wann kommt der harte Einbruch am Arbeitsmarkt?

Weise: Jedenfalls nicht so schnell, wie behauptet wird. Die Kurzarbeit wird uns wohl über den Sommer bringen. Danach kommt eine wichtige Schwelle: Da ist die Frage, ob die Firmen nach den Werksferien wie üblich Schulabgänger aufnehmen oder Leute wieder einstellen, die vorher befristet beschäftigt waren. Im Winter wird die Arbeitslosigkeit auf jeden Fall steigen.