Die Frage: Mareike und Florian sind seit gut zwei Jahren ein Paar. Über ein Problem kommen sie nicht hinweg: Sobald er nicht spricht, singt er oder pfeift er. Immer. Keine ganzen Lieder, sondern nur immer und immer wieder die bekanntesten Passagen: "Mamma mia… here I go again My my, how can I resist you? … Mamma mia… here I go again; My my, how can I resist you? … Mamma mia… here I go again; My my, how can I resist you?" Auf Bitten von Mareike, dies doch zu unterlassen, ist es schon öfter zu Streit gekommen. Er behauptet, sie würde seine fröhliche Art nicht mögen. Sie glaubt hingegen, dass der Singsang ein Tick ist. Er merke gar nicht mehr, dass er die ganze Zeit singe – es nervt sie. Florian singt und pfeift sogar zwischen Streitereien, wenn er gerade ziemlich sauer ist. Sie weiß nicht, wie sie damit umgehen soll.

Wolfgang Schmidbauer antwortet: Eine Pattsituation. Mareike hat ein Recht auf Stille, Florian eines auf Geräusch. Da hilft nur verhandeln. Zu glauben, dass Liebe Verhandlungen erspart, bringt nicht weiter. Liebe heißt, gerne Opfer zu bringen – nur wer fängt damit an? Wenn es so einfach wäre, hätten die beiden den Konflikt längst aufgelöst: Florian wäre Mareike zuliebe still, Mareike würde sein Trällern fröhlich finden. Aber Menschen verändern sich eben ungern. Schließlich wäre es für Mareike eine Kleinigkeit, das Trällern zu ignorieren. Und für Florian, ebendieses sein zu lassen – jeweils aus der Sicht des Partners. Mareike könnte sich mit Florian einigen, dass sie den Raum verlässt, wenn es ihr zu viel wird. Dann kann er abwägen, wen er gerade bei sich haben möchte: Seine Freundin oder Abba.

Wolfgang Schmidbauer, 67, ist einer der bekanntesten deutschen Paartherapeuten. Sein Buch zu dieser Kolumne ist soeben erschienen: "Lässt sich Sex verhandeln?", Gütersloher Verlagshaus 2009

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Welchen Problemen Wolfgang Schmidbauer in seiner täglichen Praxis begegnet, erzählt er im Interview mit ZEIT ONLINE.