Sanft sagt der Beschuldigte: "Ich habe nur das Recht interpretiert und nicht Politik gemacht." Er habe lediglich dargelegt, welche Verhörmethoden nicht gegen das Folterverbot verstießen und deshalb erlaubt seien. "Nicht ich, sondern die Politiker haben simuliertes Ertränken angeordnet." Einen Augenblick lang herrscht Stille im Saal, dann ruft jemand "Kriegsverbrecher!". Einige applaudieren.

Es ist ein sonniger Frühlingstag, die Aula der südkalifornischen Chapman-Universität wurde für diesen Tag in einen Gerichtssaal umgebaut. Auf der Anklagebank: John Yoo, 41 Jahre alt, Jura-Professor an der renommierten Berkeley-Universität, ehemals Mitglied des Rechtsrats im US-Justizministerium und Verfasser jener Gutachten, die im "Krieg gegen den Terror" Folter legitimierten. 900 Zuschauer sitzen dicht gedrängt im Saal, draußen demonstrieren Studenten in orangefarbenen Drillich-Anzügen der Guantánamo-Häftlinge: "Stellt Yoo vor ein Gericht!"

Noch ist es nicht so weit. Was sich in der Aula abspielt, ist ein Schauprozess, Kameras zeichnen jedes Wort und jede Regung auf, die Welt kann es im Internet nachverfolgen. Yoo hat diese Veranstaltung als Gastdozent in Chapman mitorganisiert. Er ist nicht der Einzige, der nach den Anschlägen vom 11. September 2001 die Folter-Memoranden formuliert hat. Aber im Gegensatz zu seinen damaligen Kollegen im Rechtsrat meidet Yoo die Öffentlichkeit nicht, er sucht sie. Yoo verteidigt sich und Bushs "Krieg gegen den Terror", er wehrt sich gegen die Kritik des neuen Präsidenten Barack Obama.

Mit Erfolg: Wenn man von der Aula auf das ganze Land schließen kann, dann zeigt der Beifall, dass Amerika tief gespalten ist in der Frage der Folter. Und in der Frage, ob John Yoo ein Patriot ist oder ein Advokat des Diktatorenrechts.

Yoo sagt, er habe nach Recht und Gesetz gehandelt. Auf Anfrage des Weißen Hauses, des CIA und des Verteidigungsministeriums teilte Yoo im August 2002 und im März 2003 mit, von Folter könne man erst sprechen, wenn der Schmerz den Grad "ernster physischer Verletzungen" erreiche, "wie etwa bei einem Organversagen, bei Körperschäden oder gar Tod". Oder wenn das gewollte psychische Leid "erheblich" sei und sehr lange andauere, "Monate oder sogar Jahre". Yoo und seine Kollegen schrieben damals eine detaillierte Anweisung für ihrer Meinung nach erlaubte Quälereien. Sie reicht vom Schlagen mit flacher Hand und gespreizten Fingern über tagelangen Schlafentzug bis zum berüchtigten simulierten Ertränken, dem Waterboarding. Doch damit nicht genug: Selbst wenn diese Methoden Folter wären, so Yoo damals, dürfe der Präsident sie in Kriegszeiten gleichwohl anordnen. "Gesetze, die den Präsidenten daran hindern, all jene Informationen zu erhalten, die er für notwendig erachtet, um die Vereinigten Staaten vor Angriffen zu schützen, sind verfassungswidrig."

Das sehen Yoos Ankläger in der Aula der Chapman-Universität anders. Niemand stehe über dem Gesetz, sagen sie. Und selbstverständlich sei Waterboarding Folter, aus diesem Grund hätten US-Gerichte nach dem Zweiten Weltkrieg einige Japaner bestraft. Yoo habe diese Urteile in seinen Gutachten nicht gewürdigt und verletze damit juristische Prinzipien. Er sei brillant, aber zugleich ein Getriebener. "Ihre Nachfolger im Rechtsrat", schleudern sie ihm entgegen, "haben deshalb Ihre Gutachten wieder kassiert! Und das waren alles noch Bush-Getreue." Applaus.

Wer die harten Verhörmethoden geißele, erwidert Yoo, "wer sagt, das war es alles nicht wert", der möge sich doch erinnern, "dass wir hier seit mehr als sieben Jahren keinen Anschlag mehr erlebt haben". Heftiger Beifall, diesmal von der anderen Seite.