Yoo entschließt sich zur Vorwärtsverteidigung. Ob er seine Gutachten jemals bedauert habe? "Nein", antwortet er. Keine moralischen Bedenken? "Natürlich stellt sich auch die Frage nach der Moral", sagt Yoo, "aber erst, nachdem man die juristische Frage beantwortet hat." Soll heißen: Die Politiker müssen entscheiden, ob sie die rechtlich erlaubte Folter tatsächlich anwenden wollen.

Kopfschüttelnd sucht ein ehemaliger Studienfreund nach Erklärungen für diese extreme Haltung. Er erinnert sich, dass Yoo, der als kleines Kind mit seinen Eltern aus Korea eingewandert war, eine geradezu fanatische Liebe zu Amerika kultiviere. Wer die Vereinigten Staaten angreife, habe darum in Yoos Augen seine Rechte verspielt. "Vielleicht ist das ja eine Deutung", sagt er und zuckt mit den Schultern.

Als John Yoo nach seinem Schauprozess die Aula der Chapman-Universität verlässt, schaut er auf sein iPhone. Vor Kurzem erzählte er einer Zeitung, er habe darauf klassische Musik gespeichert, die ihn um 400 Jahre zurückversetze. Er würde gut in die damalige Zeit passen. In Spanien herrschten die Scharfrichter der heiligen Inquisition und versuchten, durch simuliertes Ertränken Geständnisse aus ihren Gegnern herauszupressen.

Diesen Artikel finden Sie als Audiodatei im Premiumbereich unter www.zeit.de/audio