Als die englische Vogue einige Seidenschals bei Matthew Williamson bestellte, war das für den damals 25-jährigen Modeschulabsolventen eine große Überraschung. Und der Start in eine Blitzkarriere. Beflügelt vom Erfolg, wagte sich der Nachwuchsdesigner 1997 mit einer Minikollektion auf die Londoner Fashion Week. Lediglich elf Outfits wurden vorgeführt, allerdings von prominenten Damen: Kate Moss, Jade Jagger und Helena Christensen präsentierten neben anderen die schräg geschnittenen Kleider in Mandarinengelb, Fuchsia und Magenta. Mittlerweile zeigt Williamson seine Mode in New York, war schon Kreativchef der Marke Pucci – und hat die Fähigkeit, große Namen für sich zu begeistern, nicht verloren. Nun verkauft der schwedische Moderiese Hennes & Mauritz Sommermode des britischen Designers.

Es ist das erste Mal, dass H&M einen Gast-Designer wählt, dessen Name bisher ein Thema für Mode-Insider war. Zu Unrecht: Denn die Mode des Londoners hat prophetische Qualitäten. Während seine Kollegen sich noch in Schlammfarben, Schwarz- und Grautönen ausdrückten, nutzte er schon die volle Farbpalette, entwarf Looks in Lila, Grün und Sonnengelb. Auch die an die achtziger Jahre erinnernden Neonfarben sowie fantasievolle Prints entdeckte er früh. "Minimalismus und Zweckmäßigkeit entsprechen nicht meinem ästhetischen Verständnis", sagt er. Matthew Williamsons Kreationen sind wie ein Vitaminstoß – und den kann die Welt derzeit gut brauchen.

Am 23. April hängte H&M eine Damen-Kollektion von Williamson in die Filialen. Die Frauen standen morgens Schlange vor den Läden, und schon nach einer Stunde war kaum noch etwas von der Kollektion erhältlich. Videoaufzeichnungen der Geschäftsöffnung in New York zeigen Szenen wie bei einer Plünderung. Besonders um einen blauen Blazer rissen sich die Kundinnen. Die H&M-Aktion ist für viele Fashionistas die einzige Gelegenheit, in der Rezession ein Stück Designermode zu ergattern.

Am 19. Mai kommt die Herren-Kollektion von Williamson auf den Markt. Hoffentlich gibt es keine Verletzten, wenn sich Männer um die Designer-Klamotten kloppen.