3. Die Koalitionswahl. Am 30. August bestimmen das Saarland, Thüringen und Sachsen ihre Landtage neu. Zweimal kann dabei eine rot-rote Koalition entstehen, was auch bedeuten würde, dass die CDU zwei Ministerpräsidenten verliert.

4. Die Entscheidung. Am 27. September wird der Bundestag gewählt und so darüber abgestimmt, wie Deutschland nach der großen Krise aussehen soll. Doch geht es nicht nur um zwei Richtungen, sondern auch um zwei Personen: Merkel oder Steinmeier.

Für die Wahlkampfstrategen in den beiden Volksparteien bietet das Vorspiel, die Bundesversammlung, zunächst keine besondere geistige Herausforderung. Wenn Horst Köhler, wie es die meisten erwarten, die Wahl gewinnt, dann wird der Effekt dieses Sieges schon vergangen sein, bevor der alte, neue Bundespräsident am Abend seiner Bestätigung im Schloss Bellevue die Lichter löscht. Wenn allerdings Gesine Schwan gewinnt, was sie bekanntlich allenfalls mit den Stimmen der Linkspartei kann, dann beginnt dieser Wahlkampf mit einer doppelten Niederlage. Für die SPD, weil sie die Rot-Rot-Grün-Debatte nicht wieder loswird. Und für Schwarz-Gelb, weil man offenkundig das eigene Lager nicht mobilisieren kann. Dann würden Wut und Polemik sich Bahn brechen, das schwer Berechenbare würde vollends unkalkulierbar – sogar für die vordenkenden Männer und Frauen in den Hauptquartieren. Und weil das so ist, werden sich wohl genügend Stimmen für einen normalen und folgenarmen Wahlausgang finden.

Und dann geht’s richtig los. Mit einer krachenden Wahlniederlage für die Union bei den Europawahlen. Vor fünf Jahren, als die Deutschen der Regierung Schröder einen Denkzettel verpassen wollten, erhielt die SPD grauenvolle 21,5, die Union hingegen 44,5 Prozent. Das kann für die einen nur besser, für die anderen nur schlechter werden. Und wenn die Union sogar weniger bekommt als bei der desaströsen Bundestagswahl 2005, also unter 35,2 Prozent? Nichts passiert dann, sagen die von der CDU und zucken mit den Schultern. Höchstens werde die Kanzlerin ein paar mehr Interviews geben. Mehr nicht.

Viel ausführlicher wird man in diesem Zusammenhang im Willy-Brandt-Haus: Die Union, so sagen sie dort, schafft es nicht mehr, ihre Wähler zu mobilisieren. Seit Langem mache die Partei in der Großen Koalition und in der Großen Krise eine Politik gegen die eigenen Überzeugungen, und heute wisse sie überhaupt nicht mehr, wofür sie stehe. Ja, die Kanzlerin sei beliebt – durch Beliebigkeit, so wird maliziös ergänzt. Aber das verbessere nicht die Umfragewerte für ihre Partei. Und Wahlkampf, den wolle die CDU-Vorsitzende am liebsten auch gar nicht führen. Kein Wunder, so wird gehöhnt, wann immer sie etwas Bestimmtes sage – wie beim Thema Steuersenkung –, verfalle die Union ins kommunikative Chaos. Sie könne ihrer Partei nicht erklären, wofür sie kämpfen soll.

An dieser Stelle baut sich das ganze in drei (mehr oder weniger) siegreichen Bundestagswahlkämpfen gewachsene Selbstbewusstsein der Müntefering-Truppe auf. Natürlich, so konzedieren sie großzügig, Merkel und ihre Leute würden nicht dieselben Fehler machen wie 2005.

Aber andere.