Nordkorea provoziert, Die Welt ist empört – solche Überschriften verkünden die ganze Ohnmacht der Staatengemeinschaft. Denn "empört" sind nur die Machtlosen, während der Starke handelt, verhindert oder straft.

Verhindern konnten Asiens Große Fünf (USA, China, Japan, Russland, Südkorea) schon den ersten Atomtest nicht, ebenso wenig wie die Euro-Drei (Berlin, London, Paris) seit 2003 den iranischen Griff nach der Bombe. Noch krasser: Weil Pjöngjang und Teheran die Ohnmacht des Westens so gut durchschauen, gehen sie auch mit ausgesuchter Frechheit ans Werk.

Frühere Bombenbeschaffer hatten ihre Spuren peinlichst verwischt. Südafrika hat nur einen mysteriösen Blitz im Südatlantik hinterlassen. Israels Atomschild existiert offiziell nicht. Saddams Irak hatte zur Tarnung gar den Atomwaffensperrvertrag unterschrieben. Indien hatte schlau die amerikanischen Satelliten ausgetrickst. Pakistan gelang die perfekte Überraschung.

Doch Nordkorea und Iran zeigen ihre Ambitionen ganz ungeniert: Hier wird eine neue Rakete ausprobiert, dort werden noch ein paar Tausend neue Zentrifugen zur Urananreicherung aufgestellt. Derweil blüht eine aggressive Rhetorik – wie die von der Vernichtung des "Krebsgeschwürs" Israel. Ob Iran die Provokation bis zum Test treibt? Wir dürfen wetten, dass das Regime in 12 bis 36 Monaten eine Bombe "im Regal" haben wird – alle Komponenten, die in Stunden zur Waffe verschraubt werden können.

Zur Unverfrorenheit gehören immer zwei: Wolf und Schaf

Als Nordkorea im April eine Langstreckenrakete über Japan hinwegschoss, kriegte es die sonore Stimme von Barack Obama zu hören: "Regeln müssen bindend sein. Zuwiderhandlungen müssen bestraft werden. Jetzt ist die Zeit für eine starke internationale Reaktion gekommen."

Doch gehören zur Unverfrorenheit immer zwei: Wolf und Schaf, also die "Weltgemeinschaft". Der UN-Sicherheitsrat konnte sich nicht auf mehr als eine belanglose Resolution einigen. Auch Amerika blökte nur verhalten. Als Pjöngjang gegen zwei US-Journalistinnen Anklage erhob, bot Mrs. Clinton eine "offene Tür" an. Als es abermals die Sechs-Parteien-Gespräche absagte, flötete Emissär Stephen Bosworth, die USA seien "dem Dialog verpflichtet".

Auch jetzt wirft das Weiße Haus mit Wattebäuschchen: Der Test werde nur die "Isolierung Nordkoreas vertiefen". China ist "entschieden" dagegen. Russland doziert über "Destabilisierung". Die Lehre hat Nordkorea schon vor 15 Jahren präzise erfasst, als Bill Clinton wie ein Weihnachtsmann mit einem prallen Sack (Geld, zwei zivile Reaktoren) erschien, um Nordkorea die atomare Abstinenz zu versüßen. Funktioniert hat es wie Heroin; der Junkie will immer mehr.