Man hört und staunt: 140 der 183 Nationalratsabgeordneten gehen einem oder mehreren Nebenjobs nach. Angesichts des skandalös niedrigen Grundgehalts von monatlich 8160 Euro eine verständliche Entwicklung. Nicht der finanzielle Aspekt scheint aber ausschlaggebend dafür zu sein, wenn Volksvertreter kein Fulltime-Job mehr sein kann. Vielmehr dürften sie mit ihrem Mandat offenbar nicht ausgelastet sein und suchen daher eine Herausforderung außerhalb des Parlaments. Erhellend also, wenn ÖVP-Abgeordneter Ferry Maier (nur vier Nebenjobs) erklärt: "Ich habe keine Nebenjobs, mein Hauptjob ist der zivile Beruf beim Raiffeisenverband. Darüber hinaus bin ich Nationalratsabgeordneter." Politik als Nebenerwerb, das ist weniger überraschend, als es auf den ersten Blick scheint. Auch die Bundesratsmitglieder sind größtenteils nicht hauptberuflich Politiker. Angesichts der Machtfülle der Länderkammer scheint es logisch, dass besondere Nachfrage nach dieser Elitetruppe besteht. So muss der Schlossbesitzer Georg Spiegelfeld-Schneeburg, ebenfalls von der ÖVP, gleich neun Nebenjobs ausfüllen, was lediglich für seine professionelle Qualität spricht. "Geht sich locker aus", meint ein anderer Kollege mit drei Nebenerwerben. Außerdem stehe es ja jedem frei, seinen mickrigen Vierzigstundenwochenlohn durch drei oder vier Nebeneinkünfte aufzubessern. Das wären dann zwar rund 200 Wochenstunden, die ließen sich mit gutem Willen aber bewältigen. Nur Neid könne da aus dem normalen Arbeitnehmer sprechen, der dies merkwürdig findet – meint der Tüchtige.