Wer Christa Appelts Dienste in Anspruch nimmt, weiß genau, was er will. "Die Damen suchen einen witzigen, klugen und finanziell unabhängigen Mann. Für die Herren steht häufig die Attraktivität der Frau im Vordergrund", sagt Appelt. Das Problem ist, dass diese Menschen ihr Glück allein nicht finden. Oder gar nicht danach suchen. Und da kommt Christa Appelt ins Spiel. Appelt, 54, ist Heiratsvermittlerin. Zurzeit ist sie schwer beschäftigt, der Frühling und die Wirtschaftskrise treiben die Menschen aus der Einsamkeit in ihre Agentur. Jetzt merken sie, dass Job und Geld vergänglich sind und Familie dagegen bleibt.

2500 Personen führt Appelt in ihrer Kartei, die meisten davon sind eher reich, eher gebildet und eher anspruchsvoll. Einem Arzt hat sie in drei Jahren 60 Damen vorgestellt, kürzlich hat er seine Traumfrau gefunden. Viele Kunden haben ihre Karriere auf dem Reißbrett entworfen: Studium, Haus, Hund und Garten. Da wollen sie die Partnerschaft nicht dem Zufall überlassen. Je nach Zeitraum und Anspruch zahlen sie zwischen 3000 und 29.000 Euro. Appelt hört sich die Lebensgeschichten an und erstellt ein Exposé. Neben Einkommen und Hobbys fasst sie die Vorzüge des Kunden zusammen. Das sei der schwierigste Teil ihrer Arbeit, sagt Appelt, weil alles immer positiv klingen muss. "Aber Klappern gehört zum Handwerk." Sie habe schon mal versucht, nüchterner zu schreiben, das blieb "ohne Resonanz". Erst wenn beide einverstanden sind, rückt sie Nachnamen und Telefonnummer heraus. Die Nummer bekommt immer der Mann. "Frauen greifen direkt zum Hörer. Das überfordert die Männer. Die müssen erst mal eine Nacht drüber schlafen", sagt Appelt. Für eine funktionierende Beziehung, sagt sie, müsse die Frau zu dem Mann aufschauen. Verdient sie mehr oder hat sie mehr Erfolg im Beruf, komme der Mann auf Dauer damit nicht klar.

Ausbildung: keine
Gehalt: um 5000 Euro (etablierte Vermittler)
Arbeitszeit: permanente Erreichbarkeit