DIE ZEIT: Sie feiern schon seit Januar Geburtstag. Warum reicht Ihnen ein Tag nicht aus?

Alison Richard: Soweit wir wissen, begann der Universitätsbetrieb im Jahre 1209. Ein präzises Datum gibt es nicht, und überhaupt ranken sich viele Mythen um die Gründung. Vor ein paar Hundert Jahren wurde behauptet, dass Cambridge von griechischen Philosophen schon im 7. Jahrhundert gegründet wurde. Fans haben so ihre eigenen Ansichten. Wir denken, dass der Reichtum, den wir hier hochleben lassen wollen, so groß ist, dass man das kaum an einem Tag unterbringen könnte. Wir wollen die Vergangenheit würdigen, gleichzeitig die Gegenwart reflektieren und unseren Blick in die Zukunft lenken. Es geht um diese drei zeitlichen Ebenen, und das über die ganze Universitätslandschaft hinweg.

ZEIT: Anfang des Jahres läuteten auf der ganzen Welt die Glocken für Cambridge. Wessen Idee war das?

Richard: Unsere. Wir hatten erst die Glocken in Great St Mary’s Church eingeplant, aber über das Internet breitete sich die Idee aus, und schließlich läuteten überall in der Welt die Glocken für Cambridge. Ich war zu der Zeit in Mumbai und hielt eine Glocke in der Hand, mit der ich in Asien das Jubiläum einläutete. In der Nacht gab es hier in Cambridge eine Licht-Show, 10.000 Menschen kamen, um sie zu sehen. Ich bin kein Fan von Licht-Shows, aber diese, mit Illustrationen des Kinderbuchautors – und Cambridge-Absolventen – Quentin Blake, war einzigartig.

ZEIT: Was ist sonst noch an Veranstaltungen geplant?

Richard: Es wird eine riesige Gartenparty für alle Cambridge-Mitarbeiter geben, und wir haben zusammen mit Yale eine große Darwin-Ausstellung vorbereitet, die im Juni im Fitzwilliam Museum anläuft. Ein Höhepunkt wird das große Konzert mit sämtlichen Cambridge-Chören im Sommer.

ZEIT: In Zeiten der Krise feiern Sie gegen die Katerstimmung an?

Richard: Ich gebe zu, als die Krise im Herbst ausbrach, habe ich gedacht, dass es für unser Jubiläum ein recht unglücklicher Zeitpunkt ist. In dem Moment zu feiern, wo die Finanzmärkte zusammenbrechen. Aber nach einer Weile fand ich sogar, dass es eine Chance ist. Man tritt einen Schritt zurück und betrachtet die Sache historisch: Cambridge hat in diesen acht Jahrhunderten mehr als eine Pest überlebt, die Auflösung der Klöster, einen Bürgerkrieg, zwei Weltkriege und mehrere Wirtschaftskrisen überstanden. Nicht dass Cambridge immun wäre, auch wir haben finanzielle Einbrüche. Aber wir werden es auch diesmal schaffen. Cambridge ist gut im Überleben, Krisen verlangen uns Schneid ab.

ZEIT: Hat die Krise Ihren Plan, bis 2012 eine Milliarde Pfund an Spenden einzusammeln, zunichtegemacht?

Richard: Ins Jubiläumsjahr sind wir mit mehr als 800 Millionen gestartet. Vielleicht bekommen wir dieses Jahr etwas weniger als im letzten zusammen, aber die Spendentätigkeit ist nun wirklich nicht zusammengebrochen. Es gibt weiterhin ein riesiges Engagement für Cambridge! Und ich würde die Milliarde auch gern schon früher als 2012 erreichen.