Eigentlich haben es die Briten ja nicht so mit dem Euro. Im Januar erst lehnten sie in einer Umfrage den Wechsel zur EU-Währung vehement ab. Nun aber brechen zwei südenglische Badeorte die Treue zum Pfund. In Bournemouth, einem altehrwürdigen Badeort in der Grafschaft Dorset, und im benachbarten Poole kann man nun mit dem Euro bezahlen. Mehr als 20 Restaurants, Hotels und Geschäfte nehmen beide Währungen an.

Grund ist weniger eine plötzliche Euro-Begeisterung als die Angst vor einem Rückgang der Gästezahlen. "Wir alle hoffen auf ein schnelles Ende der Wirtschaftskrise, aber das wird wohl nicht während der Sommersaison kommen", sagt Mark Smith, Tourismusdirektor in Bournemouth.

Um mehr Touristen anzulocken, haben einige Geschäfte und Lokale ein Schild vor die Tür gehängt. "Wir akzeptieren Euro im Verhältnis 1 zu 1!" ist dort zu lesen. Das heißt: Zahlen Touristen in Euro, sparen sie sogar Geld. Denn für einen Euro bekommt man derzeit etwa 88 Pence. Im Restaurant Customs House in Poole etwa können Gäste den Kaffee für 1,75 Pfund oder 1,75 Euro bekommen. Und das in derselben Qualität, versichert der Besitzer Mark Heffer. "Die Euro-Touristen müssen nicht an Extratischen sitzen, und wir servieren auch nicht kleinere Hummer, obwohl ich weniger einnehme." Ohne dieses Extra hätten sie sicher Umsatzeinbrüche, sagt Heffer. "So aber bleiben unsere Gästezahlen auch während der Krise konstant." Etwa 10 Prozent des Umsatzes macht der Gastronom mit den Euro-Einnahmen. Das Wechselgeld bekommen die Touristen in Pfund zurück.

Das Angebot nutzen laut Heffer nicht nur Urlauber aus Deutschland, Frankreich oder Italien, sondern auch seine Landsleute. Offenbar sind viele Briten nicht beleidigt, weil der Euro mancherorts das Pfund ersetzt. Vielmehr freuen sie sich, weil auch sie von dem Angebot profitieren können. Die Tourismusdirektoren der beiden Urlaubsorte, Mark Smith und Graham Richardson, gehen davon aus, dass mindestens eine halbe Million Briten Euro-Scheine aus einem vergangenen Urlaub zu Hause haben. Viele von ihnen werden wegen des schwachen Pfundes die Ferien in England verbringen. Smith und Richardson hoffen, dass so mancher das Geld an der heimischen Küste ausgibt. Für 20 Euro kann man zum Beispiel am Strand von Bournemouth für fünf Tage lang eine Sonnenliege mieten oder Fish ’n’ Chips für eine fünfköpfige Familie kaufen. Und hat dann, gegenüber dem Bezahlen in Pfund, etwa ein Fünftel des Preises gespart.

Großbritannien ist nicht das einzige Land mit eigener Währung, in dem sich deutsche Urlauber das Umtauschen sparen können. Auch in einigen Ländern Osteuropas wird der Euro akzeptiert. Besonders weit fortgeschritten ist sein Vormarsch in einem Land, das nicht einmal Teil der EU ist: In den Ferienregionen der Türkei akzeptieren etliche Restaurants, Busfahrer und Geschäfte bereitwillig den Euro.

Auf den meisten Speisekarten sind die Preise allerdings nicht in Euro ausgezeichnet. In Internetforen berichten Türkeiheimkehrer, dass sie während ihres gesamten Urlaubs in der EU-Währung bezahlt haben. Anders als in Südengland müssen die Touristen allerdings mit versteckten Preiserhöhungen rechnen. Einige Einheimische runden den Euro-Betrag auf und verdienen so mehr als mit der Landeswährung. Und wer sich für Kultur interessiert, muss zumindest ein paar Lira dabeihaben: In staatlichen Museen oder archäologischen Ausgrabungsstätten darf auch der Gast nur in der Landeswährung bezahlen.