Mitte der sechziger Jahre kamen in Las Vegas die Themenhotels in Mode. Sie sollten eine Gegenwelt zu einer Einöde schaffen, in der nicht viel mehr als Wüstensand existierte. Das alte Rom wurde genauso imitiert wie Paris oder Venedig. In Deutschland hatten diese Konzepte nie eine Chance. Zu nah ist der Weg zum Original, zu vielfältig die heimische Kultur. Dass Themenhotels aber auch hierzulande erfolgversprechend sein können, zeigt das gerade eröffnete Lindner Park-Hotel Hagenbeck. Es schafft keine eigene Kunstwelt, sondern greift einen Ansatz auf, der sich im benachbarten Tierpark seit über 100 Jahren bewährt hat.

Von außen erinnert das Hamburger Hotel dezent an ein Gebäude aus der Kolonialzeit. Bäume beträchtlichen Alters und ein Teich säumen die sandfarbene Fassade mit den dunklen Holzfenstern und Blendläden, aus dem Dach ragen zwei Pagoden heraus. Die Empfangsdame checkt den Gast zügig ein, erklärt ein paar Details zum Haus und fragt, ob sie sonst noch etwas tun könne – die aufmerksame Art ist beispielhaft für die Mitarbeiter des Hotels. Ihre Worte klingen noch in den Ohren, als man bereits mit einem Drink in einem der roten Ledersofas sitzt und staunt. Auf dem Eichenboden der Lobby stehen Schätze aus der Kolonialzeit. Ein zartgrauer Porzellanelefant. Ein hölzernes Krokodil, in dessen Rumpf Indonesier früher Reis gestampft haben. Ein Geldschrank, der vor 150 Jahren von der Geldschrankfabrik Julius Schuler in Hamburg-Altona gefertigt wurde. Mareile Hellwig fand das 300 Kilo schwere Objekt auf der Insel Java und ließ es nach Hamburg verschiffen. Die Designerin war wochenlang in Asien und Afrika unterwegs, um Antiquitäten für das Hotel zu erwerben. Konfektionsmöbel und seelenloses Standarddekor gibt es im Park-Hotel nicht.

1907 eröffnete Carl Hagenbeck den Hamburger Tierpark. Statt beklemmender Käfige schuf er Freigehege, die der Natur nachgebildet sind – eine Idee, die ihn weltbekannt machte. Über 30 Millionen Euro haben die Hagenbecks nun in das neue Hotel investiert. Es soll den Tierpark mitfinanzieren, denn der einzige familiengeführte zoologische Garten Europas erhält keine staatlichen Zuwendungen für den laufenden Betrieb. Das Hotel möchte Familien ansprechen, aber auch Tagungsgäste, die in den Pausen durch den Tierpark spazieren können. Das sorgt für geradezu putzige Bilder: Man sieht Männer in dunkelblauen Anzügen, die mit kindlicher Freude und Futtertüten in der Hand vor dem Madagaskaräffchen Lemur catta stehen, das sich hektisch den schwarz-weißen Ringelschwanz kratzt. Dann passieren sie eine stupsnasige Schienenechse. Schließlich beenden sie die Tagungspause mit Kaffee und Kuchen vor einem riesigen Becken. Ein Leopardenhai zieht gerade hinter der Glasscheibe vorbei.

Tierpark und Hotel liegen einen Affensprung voneinander entfernt, in drei Minuten läuft man zurück. Im Foyer des Hotels hängt eine Weltkarte mit Leuchtdioden, die zeigt, aus welchem Stockwerk der Aufzug gerade kommt: Asien (vierter und dritter), Afrika (zweiter und erster). 158 Zimmer gibt es, sie sind im Stil der beiden Kontinente gestaltet.

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Hier sind keine Hemingwayschen Großwildszenerien dokumentiert, auch Ethnokitsch sieht man hier nicht. An den hellen Wänden hängen ausgesuchte Fundstücke – eine Maske aus Kamerun oder Teile alter Holzliegen der Tuareg. Imitiert ist hier nur das Straußenleder. Es wäre ja auch komisch, wenn die Viecher im Park nebenan mit den Füßen im Sand tänzeln, während das Fell ihrer Artgenossen bereits das Kopfteil des Bettes bespannt.

Man schläft gut in dem Bett und schlendert am nächsten Morgen ins Restaurant: dunkles Holz, gerahmte Drucke aus dem 19. Jahrhundert mit Gibbons und Zebras. Das Buffet bietet viel, überzeugt jedoch wenig – das Birchermüesli schnittfest wie Dosenfutter für Hunde, der Industriekäse geschmacklos. Die Speisekarte versammelt einen wilden Mix: Hamburger Pannfisch, gebratenes Tuna Sashimi, Spaghetti mit Salbeibutter oder Basilikumpesto, argentinisches Rumpsteak und so weiter. Aber im Zoo schläft die Wachtel ja auch neben dem Warzenschwein.

Lindner Park-Hotel Hagenbeck, Hagenbeckstraße 150, 22527 Hamburg, Tel. 040/800808100, www.lindner.de. EZ ab 109 Euro, DZ ab 129 Euro, Suite ab 239 Euro