Ezio Mauro macht einen sehr entspannten Eindruck in seinem Büro hoch über der römischen Ruinenstraße Via Appia Antica. Dabei ist der 60-jährige Chefredakteur der großen Tageszeitung La Repubblica derzeit ein rotes Tuch für die Regierung. Kaum ein Tag vergeht, an dem Mauro und sein Blatt nicht von Silvio Berlusconi angegriffen werden. Am 3. Mai hatte Berlusconis Noch-Ehefrau Veronica in a Repubblic angekündigt, sie werde die Scheidung einreichen. Als einen der Gründe hatte die Ehefrau den Auftritt ihres Mannes bei der Geburtstagsparty der 18-jährigen Neapolitanerin Noemi Letizia genannt. Letizia und andere Starlets seien "Jungfrauen, die dem Drachen geopfert" würden. Sie selbst wolle nicht länger mit einem Mann verheiratet sein, der "Minderjährige frequentiert". Was zunächst wie ein Rosenkrieg aussah, hat sich inzwischen zu einem Politikum entwickelt. Und zu einer beispiellosen Medienschlacht. Während die Berlusconi nahestehenden Medien Jugendfotos von Frau Berlusconi mit blankem Busen druckten, während der Regierungschef im Staatssender RAI zwei Stunden Sendezeit bekam, um alle Vorwürfe zu bestreiten, attackierte Berlusconi seinerseits a Repubblica die Zeitung betreibe aus "Hass und Neid" eine Kampagne gegen ihn. Die römische Tageszeitung recherchiert weiter in der Affäre und bringt dabei eine Widersprüchlichkeit nach der anderen ans Licht. Täglich veröffentlicht a Repubblica zehn Fragen an Berlusconi, in denen es darum geht, wie der Regierungschef Noemi Letizia kennenlernte, wo, wie oft und weshalb er sie getroffen habe. Silvio Berlusconi hat auf diese Fragen bisher nicht geantwortet.