Schon der Eingang wirbt um jeden Kunden: Klar und hell, erlaubt er einen Blick ins Innere. Beigefarbene Bodenfliesen heben sich edel von den dunkelgrauen Wänden ab. Indirektes Licht bestrahlt die Waren und nicht die Kunden. Ein breiter Gang lädt zum Flanieren ein.

So sieht nach der Vorstellung der verantwortlichen Manager bei Arcandor das Warenhaus der Zukunft aus. Der alte Muff weicht Übersichtlichkeit. Kaufgruften gehören der Vergangenheit an. Wurden sie nicht aufgefrischt oder grundlegend renoviert wie dieses Haus in Berlin-Steglitz, dürften sie die Wirtschaftskrise nicht überstehen.

Viele Warenhäuser sind bereits am Ende (siehe nebenstehenden Artikel). Der bislang wohl spektakulärste Fall: Fast zehn Monate lang kämpfte ein Insolvenzverwalter um die Rettung von Hertie. Die Kaufhäuser gehörten früher zu Karstadt – bis sie ein britischer Investor 2005 übernahm. Doch etliche Häuser verkamen regelrecht. Allein um behördliche Auflagen zu erfüllen, hätte ein neuer Geldgeber 25 Millionen Euro in alte Gebäude stecken müssen, fand der Insolvenzverwalter heraus. Vergangene Woche kam das endgültige Aus; alle Hertie-Häuser schließen.

Derweil spitzt sich auch bei Arcandor die Lage zu. Vorstandsvorsitzender Karl-Gerhard Eick hat die Bundesregierung um eine Bürgschaft gebeten. Sein Konkurrent Eckhard Cordes, Chef des Handelskonzerns Metro, zu dem auch die Kaufhauskette Kaufhof gehört, warnt mit Nachdruck vor einer Wettbewerbsverzerrung. Er wirbt stattdessen für eine Fusion der Warenhäuser.

Bis zum 12. Juni muss eine Entscheidung gefallen sein, denn an diesem Tag läuft eine wichtige Frist ab. Dabei geht es um die Verlängerung eines Großkredits. Die Banken wollen klare Informationen. Stattdessen kamen zu Beginn der Woche aus Berlin sehr unterschiedliche Signale.

Ablehnend gegenüber einer Bürgschaft äußerten sich vor allem einige Christdemokraten. Metro-Chef Eckhard Cordes ist Vizepräsident des Wirtschaftsrates der CDU. Sein Kontrahent Eick gab sich trotzdem nicht geschlagen. Zwar lehnt er einen Zusammenschluss mit dem Kaufhof grundsätzlich gar nicht ab. Eine Voraussetzung dafür sei aber gleichwohl eine Bürgschaft vom Staat, so Eick. Denn die Metro will die Schulden auf keinen Fall übernehmen. Eick: "Wir wollen nichts geschenkt, sondern nur eine Bürgschaft und einen Kredit, den wir zurückzahlen."

Am Mittwoch reisten Karstadt-Mitarbeiter aus dem gesamten Bundesgebiet nach Berlin, um Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg um eine Rettung des Unternehmens zu bitten. Ansonsten bleibt ihnen nichts anderes übrig, als im Umgang mit Kunden die eigenen Sorgen zu verbergen – so wie in der Schloßstraße in Steglitz.