Die Staatsschulden steigen, und das erzeugt Aufregung an den Finanzmärkten. Rating-Agenturen erwägen, den Briten ihr Gütesiegel zu entziehen, und selbst an der Bonität der USA zweifeln die Profis zunehmend. Droht Amerika die Staatspleite – und dem Dollar das Schicksal des argentinischen Peso?

Das ist unwahrscheinlich. Ein starker Staat kann auch mit hohen Defiziten fertig werden. Nach dem Zweiten Weltkrieg haben die USA einen Schuldenberg von mehr als 100 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung abgetragen – mit Wirtschaftswachstum und ohne Hyperinflation. Selbst wenn die Schulden nun, wie von der Regierung geplant, in drei Jahren um unglaubliche drei Billionen Dollar zunähmen, wäre das verkraftbar, sofern dadurch die Konjunktur wieder in Gang käme. Die Schuldenquote läge dann bei rund 70 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Weniger als in Italien. Die Steuern würden dafür zwar auch steigen müssen, aber das ist nun mal der Preis für militärische oder finanzielle Exzesse.

Das Problem an der Debatte über die Schulden ist, dass sie sich zu sehr auf den Staat konzentriert. Gewiss, die Amerikaner haben sich mehr Geld geliehen, als gut für sie war. Aber es waren vor allem die privaten Haushalte. Derzeit nimmt die US-Wirtschaft insgesamt sogar weniger neue Schulden auf als in den Boomjahren, sie muss sich auch weniger Geld im Ausland borgen. Der Grund: Die Bürger und Firmen sparen mehr, als der Staat zusätzlich ausgibt.

Wir brauchen also Rating-Agenturen und Behörden, die Alarm schlagen, wenn die Wirtschaft aus dem Gleichgewicht gerät – und nicht erst, wenn die Reparaturarbeiten die Staatsschulden vorübergehend treiben, so wie jetzt. Die Abmahnung hätte den USA vor vier Jahren gebührt, als sie mit im Ausland geliehenem Geld die Immobilienblase finanzierten. Die Höhe der Auslandsschulden sagt weit mehr über die Gefahr für die wirtschaftliche Stabilität aus als nur das Staatsdefizit. Damals aber verdiente die Welt an den USA und sah gern weg.