Erst einmal sollten sich die Bauhaus-Schüler richtig austoben. Sie durften ein halbes Studienjahr lang Materialien, Farben und Formen kennenlernen und dabei ihre "Individualität entfesseln", sich von "toten Konventionen" befreien. So hatte sich Walter Gropius vor genau neunzig Jahren die "Vorlehre" ausgedacht, geleitet wurde sie von Meistern wie Paul Klee und Wassily Kandinsky. Eine der engagierten Schülerinnen war Alma Buscher. Nach der Vorlehre erkämpfte sie sich einen Platz in der von Männern dominierten Holzwerkstatt und entwarf dort 1923 einen Spielschrank, mit dem auch Kinder sich, der Farben- und Formenlehre des Bauhauses gemäß, austoben konnten: In drei Regalen stapeln sich farbenfrohe Kisten und Kästen unterschiedlichen Formats, einer davon ist sogar mit Rollen und einem Sitz ausgestattet, damit man ihn zur Eisenbahn umfunktionieren kann, wie Laszlo Moholy-Nagy das damals in einem Prospekt erläuterte.

Der Spielschrank wurde zu einem der wenigen Verkaufserfolge des Bauhauses in der Weimarer Zeit. Nun steht eines dieser Möbel wieder zum Verkauf, es soll für geschätzte 18.000 Euro versteigert werden. Die Münchner Auktionshäuser Quittenbaum und Ketterer widmen dem 90. Bauhaus-Jubiläum eine gemeinsame Sonderauktion am 20. Juni: Quittenbaum hat Designstücke wie den Kinderschrank, elegante Stahlrohrsessel von Mies van der Rohe und einen spitzen Bauhaus-Tortenheber (Schätzpreis: 1500 Euro) zusammengetragen. Ketterer bringt Gemälde, Zeichnungen und Lithografien ein, darunter einen Tempera-Kopf von Walter Deixel und eine Hommage an das Viereck (1960) in Öl von Josef Albers (Schätzpreis: 180.000 Euro). Albers’ lange nach dem Ende des Bauhauses entstandenes Gemälde erinnert ein wenig an den Kinderspielschrank von Alma Buscher: Bunte und unterschiedlich große Rechtecke stapeln sich ineinander. Brav aufgeräumt.