Die künstliche Ernährung gilt als medizinische Behandlung. Dies ergibt sich aus der aktuellen Rechtsprechung. Wie jede Therapie braucht das Anlegen einer Magensonde deshalb einen ärztlichen Grund sowie die Zustimmung des Patienten. Kann der Patient seine Einwilligung nicht mehr geben, weil er hochgradig dement ist oder im Koma liegt, zählt, was der Betroffene in seiner Patientenverfügung festgelegt hat. Je konkreter und je aktueller eine solche Willensbekundung abgefasst ist, desto größer ihre Verbindlichkeit. Liegt keine Patientenverfügung vor, ist das kein Freibrief für den Arzt, alles medizinisch Machbare zu tun. Vielmehr muss er den mutmaßlichen Wunsch des Betroffenen ermitteln, etwa aus früheren Äußerungen oder Lebenseinstellungen.

Dabei gilt es, den Willen des Patienten stets im Licht der konkreten Situation zu interpretieren. Bezogen auf die künstliche Ernährung, müssen sich Ärzte und Betreuer fragen: Kann der Patient nur nicht schlucken, oder verspürt er keinen Hunger mehr? Ist die Einstellung der Nahrungsaufnahme ein Ruf nach mehr Zuwendung oder das Signal, endlich sterben zu wollen? Verspricht die Sonde die Lebensqualität zu verbessern, oder verlängert sie nur das Sterben? Bei Zweifeln, raten Experten wie Christian Kolb, sollte die Entscheidung für die Sonde fallen – mit der Möglichkeit, die künstliche Ernährung wieder zu beenden. Diese Option sollte in der Krankenakte ausdrücklich festgehalten werden, am besten mit einer konkreten Frist, nach welcher der Sinn der Sonde erneut zu prüfen ist.