Anfang dieser Woche mussten die in der jüngsten Zeit arg gebeutelten Porsche-Manager in Stuttgart-Zuffenhausen weitere schlechte Nachrichten über ihr Unternehmen lesen. Dass manche Medien von einer nur knapp vermiedenen Insolvenz schrieben, hat sie besonders geärgert: Schließlich erwirtschafte das Unternehmen nach wie vor zweistellige Umsatzrenditen und verfüge über eine überdurchschnittlich hohe Eigenkapitalquote.

Auch liefen ja die Fusionsverhandlungen mit Volkswagen mit dem Ziel eines "integrierten Automobilkonzerns" weiter, wie die beiden Aufsichtsratsvorsitzenden und Vettern Ferdinand Piëch (Volkswagen AG) und Wolfgang Porsche (Porsche Automobil Holding SE) bestätigt hätten. Das Neue daran: Anstatt der Fachleute unterhalb des Vorstands, deren Gespräche von VW-Seite abgeblasen worden waren, müssen jetzt die Spitzenmanager der beiden Unternehmen an den Verhandlungstisch. Also VW-Chef Martin Winterkorn und Porsche-Chef Wendelin Wiedeking nebst ihren Finanzchefs Hans Dieter Pötsch beziehungsweise Holger Härter.

Nicht mehr abstreiten können die Stuttgarter mittlerweile, dass das unter dramatischem Zeitdruck geschnürte Kreditpaket von 10 Milliarden Euro Ende März nur mithilfe von 700 Millionen Euro seitens VW zustande kam. Das Geld hatten die Porsche-Leute dringend benötigt, um einen Kredit abzulösen, den sie zur Aufstockung ihres Volkswagen-Aktienpakets auf mehr als 50 Prozent genutzt hatten. Dazu mussten Wiedeking und Härter bei den Wolfsburgern und beim niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulff als Vertreter des zweiten VW-Großaktionärs Niedersachsen zu Kreuze kriechen.

Schwer tun sich Härter und Wiedeking ("Uns gibt’s nur im Doppelpack") immer noch bei der "eigentlich ganz normalen" Kreditaufnahme für das laufende Geschäft. 2,5 Milliarden Euro wollen sie eintreiben, erst 750 Millionen Euro haben sie bei der Bank of Tokyo akquiriert. Das habe mit den infolge der Finanzkrise übervorsichtig agierenden Banken zu tun, glauben die Stuttgarter. Um ihre Kreditwürdigkeit zu erhöhen, setzen sie auf eine baldige Kapitalerhöhung.

Fünf Milliarden Euro sollten es sein, das würde die Nettoschulden von derzeit neun Milliarden Euro drastisch senken. Zu diesem Schritt müssen sich aber erst noch die Familien Porsche und Piëch durchringen. Die werden, so die neue Chefrunde ein Konzept für den integrierten Automobilkonzern findet, auch über die Besetzung der künftigen Spitzenjobs entscheiden. Spätestens da wird der Machtstreit zwischen VW-Patriarch Ferdinand Piëch und seinem Vetter Wolfgang Porsche einen neuen Höhepunkt erreichen. (DHL)