Am 4. Juni wird US-Präsident Barack Obama in Kairo eine Grundsatzrede halten. Eine Rede an die muslimische Welt, die nach dem verheerenden "Krieg gegen den Terror" seines Amtsvorgängers die Glaubwürdigkeit der USA wieder aufrichten soll. Was könnte Obama sagen? Was müsste er sagen, um die gesamte muslimische Welt anzusprechen? Vielleicht dies:

"Meine sehr verehrten Damen und Herren,

ich freue mich sehr, in Kairo zu Ihnen zu sprechen, in dieser Metropole der islamischen Welt, einer vielseitigen Weltstadt von Muslimen und Christen. Das fruchtbare Zusammenleben von verschiedenen Religionen, in einer Stadt, in einem Land, auf der Erde, ist entscheidend für die Zukunft von uns allen. Manche malten in den vergangenen Jahren einem Kampf der Kulturen an die Wand. Sie haben Unrecht. Schauen Sie auf die großen gemeinsamen Leistungen der Weltkulturen. Die Länder im Nahen Osten, Ägypten mit seiner großartigen Hauptstadt Kairo sind die Bühnen dieser produktiven Vielfalt.

Doch unser Zusammenleben wird bedroht. Es gibt bewaffnete Kräfte, die den Frieden zerrütten, unsere Zivilisationen verwüsten wollen. Diese Drohung trifft Muslime, Christen und Juden gleichermaßen. Die meisten Anschläge seit dem 11. September 2001 haben die muslimische Welt getroffen. Wir alle wünschen uns, in Sicherheit zu leben. Die Staaten müssen diese Sicherheit gewährleisten. Doch lassen Sie mich hier ganz klar sagen: Sicherheit darf nicht jeden Preis haben. Über der Forderung nach Sicherheit steht das Menschenrecht. Das Recht des Bürgers im Staat, das Recht in den internationalen Beziehungen.

Mein Land hat in den vergangenen Jahren große Fehler gemacht und gegen eigene Grundsätze verstoßen. Ich bedauere das. Wir wollen Rechtsbrecher nicht mit Rechtsbrüchen verfolgen. Wir bekämpfen nicht ›Feinde‹, sondern Straftäter. Wir führen keinen ›Krieg‹, sondern verteidigen Freiheit, Frieden und das Recht. Wir erwarten die Einhaltung dieser Grundsätze von uns selbst wie von unseren Freunden. Die Vereinigten Staaten haben lange aus falschen Gründen die Augen verschlossen vor Rechtsbrüchen im Nahen Osten. Wir wünschen uns die Achtung der Menschenrechte in den arabischen und muslimischen Staaten. Wir wünschen uns die Wahrung der Menschenrechte im israelischen Umgang mit den Palästinensern. Rechtsstaat, unabhängige Richter, Meinungsfreiheit, Freizügigkeit sind keine Lehrstunden des Westens, keine Exportartikel. Sie sind Werte von Muslimen, Christen, Juden zugleich.

Wir wollen das Recht auch in den staatlichen Beziehungen stärken. Wir treten ein für das Recht der Palästinenser auf einen eigenen Staat, in lebensfähiger Gestalt und in naher Zukunft. Von Israel erwarten wir einen sofortigen Stopp des Siedlungsbaus und den Abriss aller illegalen Siedlungen. Zugleich stehen wir ein für die Sicherheit Israels und sein Recht auf eine Existenz frei von Angst und Bedrohungen.