Als Alexander Pereira in der vergangenen Woche zum künftigen Chef der Salzburger Festspiele ernannt wurde, begründeten die österreichischen Kulturpolitiker ihre Entscheidung unter anderem damit, dass die wirtschaftliche Lage des Festivals so schwierig sei. In Salzburg ist das Geld knapp. Ausgerechnet dort, wo die Prasserei erst den wahren Spaß an der Kunst ausmacht, wo die Operntickets in der teuersten Kategorie 370 Euro kosten und man nach jeder Premiere vor die breiten Kühlerhauben der Sponsorenlimousinen läuft. Es nützt nichts: Die Festspiele müssen noch wirtschaftlicher arbeiten, egal was das für die Kunst bedeutet.

Der amtierende Festivalchef Jürgen Flimm hat mit seiner abenteuerlichen Volte im vergangenen Jahr den ganzen Salzburg-Wahn deutlich werden lassen: Erst hat er das Eventkarussell mit seinen Netrebko-Villazón-Superstarpferdchen kirmeshafter denn je rotieren lassen und am Ende verkündet, er habe keine Lust mehr auf die Festspiele, weil alles viel zu kommerziell geworden sei und es kaum noch künstlerische Spielräume gebe.

Wenn Flimm recht hat, bleibt seinem Nachfolger nicht viel anderes übrig, als noch ein paar spektakuläre rote Feuerwehrautos mehr aufs Karussell zu schrauben und die Künstlerglühbirnen auszuwechseln, die nicht mehr ganz so schrillbunt leuchten. Die Wiener Philharmoniker jedenfalls, ohne deren Wohlwollen in Salzburg gar nichts geht, haben schon zu verstehen gegeben, dass sie sich "bedeutendere Dirigenten" in ihrer Sommerfrische wünschen.

Alexander Pereira ist für all das gewiss der richtige Mann. Der 61-jährige Österreicher, ein Quereinsteiger aus der Industrie, hat in den vergangenen 18 Jahren die Züricher Oper solide erfolgreich gemanagt. Seine unermüdlich ratternde Premierenmaschine spuckt mehr als ein Dutzend Neuproduktionen pro Saison aus. Pereira ist der Typ des schillernden Impresarios, der die öffentlichen Auftritte in der Opernloge genießt, sich hinter der Bühne vor den Primadonnen auf die Knie wirft und beim Sponsorengeldeintreiben die Küss-die-Hand-Diplomatie spielen lässt. Die Salzburger Spektakelsehnsüchte kann er bedienen. Wenn er in ersten Interviews darauf pocht, dass das, was in Salzburg geschieht, auf die gesamte Kulturwelt ausstrahlt, klingt das wie eine Drohung.