Wenn du dem Teufel gegenüberstehst, urplötzlich in der Nacht, Auge in Auge mit der schwarzen Bestie – dann lass dich von seinem fauchenden Maul nicht schrecken und lauf nicht weg, sagen die Tasmanier. Auch wenn seine Katzenohren dunkelrot anlaufen und er die gewaltigen Zähne fletscht, wenn sein Gestank scharf in deine Nase steigt – bleib ganz ruhig. Schätze dich glücklich, denn du bist einer der Begnadeten, der dem Räuber in freier Wildbahn begegnet.

Der Beutelteufel, oft auch Tasmanischer Teufel genannt, ist das größte Raubtier auf der südlich von Australien gelegenen Insel. Ausgerechnet den Walls-of-Jerusalem-Nationalpark hat er sich als Refugium ausgesucht, hier im zentralen Hochland Tasmaniens kann man ihn noch in der freien Natur antreffen. Doch dazu gehört ein ganzer Batzen Glück. Zusammen mit Wanderführer Rob Farlie habe ich mich auf die Suche nach dem pechschwarzen, etwa hundegroßen Aasfresser gemacht. An Orten, die Berg Moriah oder König-David-Spitze heißen, folgen wir den Spuren des Dämons. Drei Tage lang erkunde ich mit Rob die Wildnis. Eine schweißtreibende Pirsch, bei der es einige Höhenmeter zu überwinden gilt. Die Mauern des tasmanischen Jerusalems steigen auf über 1500 Meter an.

Die ersten Kilometer führen durch dichten Laubwald. Im Nu hat die ätherische Luft der Eukalypten die Lungen aufgepumpt. Streift man junge Blätter von den Zweigen und zerreibt sie zwischen den Fingern, riecht es nach Hustensaft. Zwischen den Stämmen der Baumriesen tragen dunkelgrüne Büsche weinrote und rosa Beeren, auf morschem Holz wuchern orangefarbene Pilze. Es ist, als würden wir durch einen Zauberwald stapfen.

Mehr als 40 Prozent Tasmaniens, eine Fläche von der Größe Brandenburgs, ist heute Naturschutzgebiet. Der größte Teil der tasmanischen Wildnis steht schon seit 1982 unter dem Schutz der Unesco. Der Beutelteufel ist das Wappentier dieser Gegend. Rob nennt ihn "einen liebenswerten Satan". Er erzählt, mit welcher Leidenschaft sich die Tiere um ein totes Känguru keilen und sich selbst beim Liebesspiel tagelang malträtieren: "Erst kämpfen die Männchen mit ungeheurer Aggression um ein Weibchen. Bei der Paarung mit dem Sieger geht es dann nicht weniger rau zur Sache."