Eine Tote treibt in der Donau. Eisner, der Mann aus Wien, sucht gemeinsam mit der Gruppeninspektorin der Mordkommission Linz nach dem Mörder. Wir haben die Hand dreimal in der Chipstüte versenkt, da wissen wir schon fast alles über die gewaltsam Entleibte: Die prominente Journalistin war lesbisch und ließ sich von einem Steward auf einem Kreuzfahrtschiff künstlich befruchten. Die Freundin zeigt das Wunschkind vor und macht ein Gesicht, als sei für sie das Windeln keine große Sache. Die Verflossene wurde verschmäht, weil sie keine Kinder ausstehen kann. Wenig später erfahren Eisner und Kollegin von der Rückbildungsgymnastikvorturnerin, dass die Journalistin ihren Kurs besucht hat.

Aha, denken wir, das ist die Welt der Frauen, wieso ist nur die Chipstüte noch halb voll, und weshalb neigen alle Befragten zu Offenherzigkeit. Fakten sammeln, sagt Eisner, so lösen wir den Fall. Der Fall, so scheint es, löst sich aber von allein. Denn natürlich wird er bald von einem Reproduktionsmediziner durch eine Privatklinik geführt. Hier verhilft man kinderlosen Frauen zum Mutterglück. Die Männer verharren im Zeugungsstreik, Frauen entscheiden sich spät zur Schwangerschaft… Die Schauspieler halten Referate, und Eisner, der ob der Lappigkeit des Falls dahindösende Charmeur, möchte am liebsten im Rosenhain Blumenlieder trällern.

SERIE: TATORT FERNSEHEN. Klicken Sie auf das Bild, um alle Besprechungen von Feridun Zaimoglu zu lesen

Man lässt ihn nicht, vielmehr sagt der Gehilfe der Linzer Kollegin ein ganzes Traktat auf: Jedes zehnte Paar in Europa ist unfruchtbar, wegen der schärferen Embryonenschutzgesetze machen die Deutschen scharenweise rüber nach Österreich. Die verdächtig hohe Erfolgsquote der Klinik weist wohl darauf hin, dass man den armen Eltern Kuckuckseier unterjubelt…

Wir sind mit der Hand in der Chipstüte eingenickt und wachen erst wieder auf, als Eisner eins auf die Rübe kriegt. Die Mörder haben nämlich die Faxen dicke und drängen auf mehr Handlung. Nun bricht Eisner wie die Wildsau durchs Unterholz, mit einem Mullstrumpf über der zerömmelten Rübe gibt er eben das Bild eines weißmützigen Wichtels ab. Unverdrossen schnattern die Referenten vom Geschäft mit befruchteten Eizellen, von den bösen Medizinern, die mit dem Glück der Frauen improvisieren.

Und die Hintermänner? Die sitzen natürlich im ehemaligen Ostblock und schicken eiskalte Todesengel nach Linz. Gerade saßen wir in der Schwangerschaftsberatung, dann aber zerrt man uns hinaus und hinab in den Schützengraben des Kalten Krieges. Lauter Frontschweine um uns herum, die uns, das Volk, aufklären: Wehe euch, wenn ihr verkennt, dass das Böse bei uns nicht zu Haus ist.