Meine Mutter musste sich das Studieren noch erkämpfen, also hat sie mir und meinen drei Schwestern immer gesagt: Habt eine gute Ausbildung, sodass ihr später nie finanziell abhängig seid. Und als dann mein erstes Kind geboren wurde, war ich überhaupt nicht darauf vorbereitet, welch große Veränderung das in mein Leben bringen würde. Irgendwann habe ich zu meinen Eltern gesagt: Warum habt ihr eigentlich nie mit uns darüber gesprochen, dass es auch ganz andere Phasen gibt, in denen es womöglich besser ist, nicht dauernd in der Welt herumzuspringen? In denen es um Wärme und Geborgenheit geht, um Zuhören, Trösten, Füttern und Kochen, also ganz viel am Herd stehen. Wow, "am Herd stehen", das Reizwort unserer Tage.

Meine Mutter hatte vier Kinder und ich verstehe so gut, dass sie dem allen irgendwann wieder entfliehen wollte und wieder anfing zu arbeiten. Aber dass ein Nacheinander dieser Phasen sinnvoll sein kann, das hat sie uns nicht gesagt. Ich habe studiert und immer viel gearbeitet, Radio, Zeitung, Fernsehen.

Als mein erstes Kind kam, habe ich erst mal nur meine Sendung Ziehung der Lottozahlen weitergemacht. Es waren außergewöhnliche Umstände für eine junge Mutter: Kein Mütter-Mobbing der Kollegen, sehr spezielle Dienstzeiten – nämlich kurze – außer Haus. Mein Mann unterstützte mich in jeder Hinsicht, das Geld hat auch gereicht. So habe ich etwas erfahren, das mich überwältigt hat. Für meine beiden Kinder da zu sein, ist das Sinnvollste, was ich je gemacht habe.

Die meisten Eltern oder Alleinerziehenden stehen so sehr unter Druck, dass dieses einzigartige Glück gar nicht aufblühen kann. Und selbst wenn es keine ökonomischen Zwänge gibt: Wir haben alle verinnerlicht, dass die Anerkennung über den Beruf kommt. Und auch ich bin wirklich sehr froh über meine Arbeit. Aber es gibt noch ein anderes Glück. Für mich war es das größte.

Mein Traum ist, dass wir die Leistungen von Müttern und Vätern mehr respektieren. Dass wir anerkennen, dass es einen Wert hat, dieses Dasein für Kinder. Ohne dass gleich einer schreit, man wolle damit den Frauen das Leben am Herd schönreden. Können wir uns alle mal wieder ein bisschen entspannen?