Stuttgart ist die Hauptstadt eines Landes, dessen Bewohner stolz darauf sind, kein richtiges Deutsch zu sprechen ("Mir könne alles außer Hochdeutsch"). Da ist es verwunderlich, dass sie kein ähnlich plakatives Bekenntnis zum Kochen abgelegt haben. "Mir koche alles, solang es Maultasche sind" wäre ihr Schlachtruf. Dabei sind auch die Maultaschen, wie jeder Küchenhistoriker weiß, nicht auf schwäbischem Mist gewachsen. Vom Hof in Wien, der über Schwaben herrschte wie Paris über das Elsass, kam die Mehlleidenschaft über den deutschen Südwesten.

Wem also würde es gelingen, bei der vierten und letzten Regionalentscheidung unseres Kochwettbewerbs im Steigenberger Hotel Graf Zeppelin zu Stuttgart diesem Wall von Spätzle, Nierle, Schäufele und sauren Linsen, dieser ganzen mehligen Mampftradition etwas entgegenzusetzen, was der k.u.k. Herkunft entspräche?

Vielleicht dem evangelischen Pfarrer Thomas Freytag aus Judenbach in Thüringen? Als ehemaliger DDR-Bürger hatte er die Wende auch als kulinarische Befreiung empfunden und trumpfte nun in jedem Gang mit einer Vielzahl von Komponenten auf, wobei er sich gemeinsam mit seiner Frau Janine auch die Freiheit nahm, die angekündigten Gerichte kurzfristig zu ändern und die Jury damit zu verwirren. Immerhin servierte er im Hauptgang wie versprochen Kronfleisch, hatte aber wie schon der Sieger von Hamburg seine liebe Not mit der Konsistenz des Kalb-Zwerchfells (Rezept (PDF)).

Jürgen Däubler aus Thannhausen kochte gemeinsam mit seiner Tochter Anne und verarbeitete Kalbsfilet, -zunge und -bries zu einem Ragout, wozu sie Kartoffelnudeln servierten (Rezept (PDF)). Der gebürtige Österreicher Wolfgang Hofer schließlich hatte sich sehr angestrengt, seinen Menüvorschlag (Beef Tatar, Wiener Schnitzel, Grießflammerie) auf zehn Briefseiten von den Schriften Thomas Bernhards herzuleiten, konnte die Jury aber auch trotz der Unterstützung durch Hans-Peter Jahn nicht überzeugen (Rezept (PDF)).

Den ersten Preis nämlich gewannen die Architekten Maren Dannien und Matthias Roller aus Tübingen. Sie servierten gleich dreierlei Strudel (von Walnüssen, Randen und Blutwurst) auf Apfelkren, die sich nicht nur durch technische Könnerschaft auszeichneten, sondern auch durch einen deutlichen Geschmack, um den die meisten Hobbyköche – nicht nur in Stuttgart – einen großen Bogen machten. Und die Idee, dem Mark der "Kalbsstelze mit gedämpften Serviettenklößchen" einen wichtigen Platz im Hauptgericht einzuräumen, fand die Jury besonders lobenswert (Rezept (PDF)).

Zu ihr gehörten wie immer Cornelia Poletto, Siebeck & Siebeck und diesmal außerdem der grüne Genussmensch Rezzo Schlauch sowie die Köche Bernhard Diers und Marc Rennhack. Letzterer bekocht neuerdings das Gourmetrestaurant des Hotels Graf Zeppelin und ließ das abendliche Diner zum Höhepunkt des Tages werden. Da gab es Zickentaler Moorochsen, Montafoner Käse und Glockner-Lamm aus der "Genussregion Österreich", begleitet von Weinen aus Gobelsburg, von Hannes Sabathi, Franz und Christine Netzl und Richard Zahel, alle Österreich.