Stefanie S., Hartz-IV-Empfängerin
"Ich habe eine Menge gelernt, seit ich vor sechs Jahren meine älteste Tochter Lisa-Marie bekam. Damals war ich 19 und konnte zum Beispiel nicht mit Geld umgehen. Ich habe das nie gelernt, bei uns zu Hause gab es kein Taschengeld. Und so hatte ich auf einmal ein paar Tausend Euro Schulden. Inzwischen gucke ich genau, wofür ich Geld ausgebe, und mache für uns alle einmal im Monat einen Finanzplan. Ich habe inzwischen drei Mädchen von zwei verschiedenen Vätern. Gemeinsam sind wir oft bei der Arche in Berlin-Hellersdorf, weil es da kostenloses Mittagessen für uns alle gibt. Ich muss unsere Tage gut organisieren. Ich arbeite 30 Stunden pro Woche in einem Ein-Euro-Job, und nachmittags muss ich mit den Kindern zur Ergotherapie, zur Logopädin und zur Kunstgruppe. Die Mittlere, Yasmin, spricht sehr schlecht, und die Älteste ist sehr unruhig, sie hat ADS, also Aufmerksamkeitsstörungen. Die Väter meiner Töchter sind selten da. Ich kenne eigentlich auch wenig andere Familien, in denen sich Vater und Mutter zusammen um die Kinder kümmern. Es gibt viele alleinerziehende Frauen und ein paar alleinerziehende Männer, denen die Frauen weggelaufen sind. Die machen das gut, ich bewundere das. Es ist schwierig, wenn die Väter nur manchmal da sind und es dann Streit gibt. Ich glaube, am besten funktioniert es, wenn die Väter sich richtig kümmern oder ganz wegbleiben. Beruflich kann ich im Moment nicht viel machen. Irgendwann würde ich gern in der Altenpflege arbeiten, als Aushilfe, denn ich habe keinen Schulabschluss. Irgendwann hatte ich keine Lust mehr auf Schule, das finde ich jetzt schade. Aber im Moment habe ich ja genug zu tun. Es gibt nur zu wenig Anerkennung für Frauen wie mich, die mit der dreifachen Belastung durch Haushalt, Kinder und Arbeit klarkommen müssen."