Pflegeleicht – so nennt sich die Frisur von Ulla Schmidt. Nichts gegen pflegeleichte Frisuren, um Himmels willen. Nur ist zu bedenken, dass die Wertung, die dem Adjektiv innewohnt, sich nicht auf die Kategorie des Ästhetischen bezieht, sondern auf die des Funktionalen. Ein solcher Haarschnitt ist der Linoleumboden weiblicher Haarkultur. Unschlagbar praktisch und universal. Mit diesem Haarschnitt macht keine Frau in irgendeiner Situation, Funktion und Altersstufe je irgendetwas falsch. Dies aber ist der allerkleinste Nenner individueller Selbstaussage.

Wie konsequent die Optik der deutschen Gesundheitsministerin nach Unauffälligkeit und Ausdruckslosigkeit strebt, zeigt auch das Kleidungsstück, mit dem sie sich notorisch präsentiert, das Jackett. Über dieses lässt sich das Gleiche sagen wie über die Frisur: Dass es nichts, aber auch gar nichts anderes signalisiert als den Verzicht auf Abweichung vom Uniformen. Genau das ist sie nämlich, die von Frau Schmidt bevorzugte Frisur-Jackett-Kombination, eine öffentliche Uniform. Gefühlte neunzig Prozent aller Frauen aus Politik und Wirtschaft gehen so aus dem Haus. Die englische Wohnungsbauministerin Margaret Beckett erledigt darin ihren Job. Und Angela Merkel greift bekanntlich blind danach.

Sie alle (Ulla Schmidt ist Jahrgang 1949) gehören zur ersten Generation von Frauen, die es in Männerwelten wirklich weit gebracht haben. Zu einer der leistungsstärksten Gruppen moderner Gesellschaften. Und was machen sie, von Gesine Schwans Afrolook mal abgesehen, aus sich? Weniger als wenig, nämlich ein Nullprinzip bezüglich Mode und Geschlecht.

Um den Jammer in seiner ganzen kulturellen Tragweite zu ermessen, muss man sich klarmachen, was wir hier eigentlich vor uns sehen: Nichts anderes nämlich als einen Abklatsch der klassischen männlichen Erscheinung. Das Jackett mit ein paar Brustabnähern, die Scheitelfrisur, mit ein paar Zentimetern mehr Haarlänge verzagt dem Weiblichen anverwandelt. Ansonsten ein glattes Derivat des Outfits der Herren der Schöpfung. Die Kernthese des schlimmsten Sexismus, wonach es sich beim weiblichen Geschlecht um ein mangelhaftes Nachahmungsmodell des männlichen Geschlechts handelt, diese These, die mit Adams Rippenspende in die Welt kam und von Dr. Freud so umständlich begründet wurde, findet in der zeitgenössischen Uniform weiblicher Tatkraft ihre schönste Bestätigung.

Das ist doch völlig paradox. Der schiere Wahnsinn, und damit sollte langsam Schluss sein. Dann dauert es eben eine halbe Stunde länger im Badezimmer, dann wartet das Kabinett eben so lange auf Ulla Schmidt.