Ich war, als Autor, nach Südtirol eingeladen. Ich befürchtete, dass die Südtiroler Menschen meine Texte womöglich nicht verstehen. Ich vermute, dass ich ein sehr deutscher Autor bin. Die Sorge war unbegründet. Offenbar bin ich gar nicht so deutsch.

Daraufhin habe ich überlegt, welcher zeitgenössische Autor der deutscheste ist, erzdeutsch wie Hoffmann von Fallersleben oder Otto Waalkes. Da fiel mir Maxim Biller ein. Dieser Autor lässt in jedem seiner Zeitungstexte durchblicken, wie schrecklich Deutschland ist, wie fu

rchtbar die Deutschen sind, wie sehr er unter seinem Leben in Deutschland leidet. Er hat die typisch deutsche Identitätskrise. Ich weiß nicht, ob das stimmt, vielleicht ist es nur eine literarische Idee, ein Bild, um seine Identitätskrise besser auszudrücken. Kürzlich schrieb er zum Beispiel, er sei kein Deutscher.

Nun, wie immer er sich nennen mag, er schreibt auf Deutsch, wohnt in Deutschland, hat hier den größten Teil seines Lebens verbracht, arbeitet hier und zahlt hier vermutlich Steuern. Ich glaube, Maxim Biller ist ein ähnlicher Fall wie Cat Stevens, er kann sich tausendmal Yusuf Islam nennen, im Grunde bleibt er immer Cat Stevens.