Als die Bild- Zeitung Metro-Chef Eckhard Cordes nach seinem Lieblingsplatz in Düsseldorf fragte, hätte es einige mögliche Antworten gegeben. Den Grafenberger Wald etwa, einen Park mit handzahmen Wildschweinen, direkt hinter dem Areal des Handelskonzerns. Oder den Spee’schen Garten in der Altstadt, auf dessen barocke Buchsbaumrabatten Cordes-Vorgänger Hans-Joachim Körber von seinem Haus aus blickt. Doch Cordes nannte den Rheinpark, eine eher seelenlose Grünfläche, die wie seine Wohnung an der Ausfallstraße zum Flughafen liegt. Er möge den Park, erklärt der Manager, weil er dort für eine Runde Joggen genau 16 Minuten brauche. Nach drei Runden habe er sein Laufsoll erfüllt und sei nach der Dusche schnell fertig fürs Büro.

Typisch Cordes. Seine Freunde beschreiben ihn als "faktenorientiert" und "zuverlässig". Seine Gegner nennen ihn einen "kalten Zahlenmenschen". In der Schnittmenge entsteht das Bild eines Mannes, der Ziele setzt, Urteile fällt und diese dann exekutiert.

Ob Cordes das auch im neuen Job gelingt, muss sich zeigen. Der Mann, zu dessen Imperium Kaufhof gehört, protestierte laut, als Konkurrent Karstadt jüngst um eine Staatsbürgschaft bat. "Wenn ein Unternehmen schon vor der Finanzkrise deutliche betriebswirtschaftliche Probleme hatte, dann ist das kein Fall für den Steuerzahler", sagt Cordes. Er sehe den fairen Wettbewerb gefährdet. Er schlug eine andere Lösung vor: die Fusion der beiden Ketten zur "Deutschen Warenhaus AG". Cordes hat sich viel vorgenommen: Er will den lange kriselnden Kaufhausmarkt konsolidieren.

"Zetsche und ich, das wäre ein Leitwolf zu viel an Bord"

Der Neuling im Handel schreckte schon in der Vergangenheit vor Mammutaufgaben nicht zurück – wenn auch mit wechselnder Fortune. Beim Autobauer Daimler in Stuttgart galt er lange als der Mann für knifflige Fälle. Er zerlegte die Tochter AEG, sanierte die Bus- und Lkw-Sparte und bereitete den Deal mit Chrysler vor – worauf ihn viele schon als Nachfolger von Konzernchef Jürgen Schrempp sahen. Doch die Firmenehe scheiterte, und als dann statt seiner Dieter Zetsche an die Spitze rückte, hielt Cordes nichts mehr in Stuttgart. "Zetsche und ich, das wäre nicht gegangen: ein Leitwolf zu viel an Bord", sagt Cordes.

Anfang 2006 heuerte er als Chef bei Haniel in Duisburg an, was zunächst viele verwunderte. Der Familienkonzern ist zwar außer an der Metro noch an diversen anderen Unternehmen beteiligt. Doch im Vergleich zu einem Dax-Konzern gilt die Holding als verschwiegen und wenig glamourös.

Das allerdings sollte sich bald ändern – mit Cordes kamen die Schlagzeilen. "Rheinische Heuschrecke" und "Mehr Macht bei Metro" schrieben die Zeitungen, als er 2007 den Haniel-Anteil mit dem anderer Großaktionäre poolte und zur Mehrheit aufstockte. Kurz darauf schmiss Metro-Chef Körber hin, Cordes übernahm zusätzlich dessen Job – und führt nun tatsächlich einen Dax-Konzern.

Wer Cordes bei offiziellen Auftritten erlebt, kommt nicht auf die Idee, dass das Trauma aus Stuttgart noch eine Rolle spielen könnte. Er wirkt durch und durch selbstbewusst. Wie ein antiker Athlet steht er im Kontrapost vor seinem Publikum: Schultern gesenkt, einen Fuß locker vorangestellt – nur der Diskus fehlt. Stattdessen wirft er per Fernbedienung Grafik um Grafik an die Wand.